Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Mit der fiktiven Figur des Thanos schuf Jim Starlin für Marvel eine der interessanteste Gegenspieler der Helden. Eine Figur mit nachvollziehbaren Motiven.

Ambivalenter Bösewicht

Gestern Abend füllten wir mit „Avengers: Endgame“ eine Lücke. Pandemie hin oder her, im Kino würde ich mir den Film grundsätzlich nicht ansehen. Bei einer Länge von über drei Stunden wäre mir eine Pause zwischendurch (gibt es so was noch?) zu wenig. Jederzeit auf die Pausentaste drücken zu können, um auf Klo zu gehen oder noch ein Bier zu holen — finde ich persönlich wichtiger als ein verklärtes Kinoerlebnis.

Wie dem auch sei, jeder entscheidet für sich selber, wie er welchen Film am liebsten anschaut. Meiner Meinung nach haben Open Air Kinos mittlerweile wieder eine rosige Zukunft vor sich. Kommen wir aber zum Film selber. Letzte Woche hatten wir bereits das Thema Superhelden. Freitag sahen wir uns „Justice League“ an. Wirklich, ich werde wohl mit dem DC-Universum nicht mehr in diesem Leben warm werden. Seinen besten Moment hatte der Film an der Stelle, als Bruce Wayne (Batman) gefragt wurde, was seine Superkraft sei.

Ich bin reich.
Bruce Wayne

Den Rest kann man getrost vergessen. Bei Avengers und Marvel gibt es einen unschlagbar coolen Waschbären. Ehrlich, es ist meine Lieblingsfigur. Allerdings gefällt mir auch der Bösewicht Thanos, was leider etwas gefährlich ist. Zumindest wenn man versucht, diese Figur und was einem daran gefällt, zu erklären.

Dreidimensionaler Thanos

Romane und Filme mit dreidimensionalen Figuren, die sehr unterschiedliche Facetten haben und nicht einfach nur schwarz-weiß sind, gewinnen bei mir immer. Aus genau diesem Grund mag ich auch Thanos. Er ist eben nicht der dumme Oberschurke, der nach Reichtum und Macht strebt. Seine Motivation ist das Gleichgewicht. In „Avengers: Infinity War“ gelangt Thanos am Ende in den Besitz aller Infinity-Steine und löscht damit die Hälfte allen Lebens im Universum aus.

Er behauptet in dem Film, dies sei unabdingbar, um dem Rest das Überleben zu sichern. Am Ende des Films macht er seine Ankündigung war und sitzt auf der Terrasse eines einfachen Holzhauses und schaut auf eine grüne Landschaft. Wie grandios ist das denn? Genau diese Stelle greift „Avengers: Endgame“ dann auf. Man sieht die Rüstung von Thanos als Vogelscheuche, währen er selber in einem schlichten Leinenhemd über den Acker läuft und seine Ernte einbringt. An eine besseren „Bösewicht“ kann ich mich nicht erinnern.

Das Schlimme dran ist jedoch das leise Gift, was er zumindest mir als Zuschauer einträufelt. Die Frage, ob er mit seinem vorherigen Handeln nicht eventuell recht hatte. Sein brutaler Kampf ist ein Kampf gegen unbegrenztes, unkontrolliertes und sich selbst zerstörendes Wachstum. Alle sterben zu lassen und die Hälfte zu retten, seine Entscheidung hat Thanos getroffen.

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