Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Das Weltklimaziel lässt sich nicht kostenlos erreichen. Das bedingt an manchen Stellen schwere Entscheidungen.

Ungleichheit manchmal erforderlich

Als passionierter Fahrradfahrer und Nicht-Auto-Besitzer bin ich eigentlich unverdächtig, Lobbyist für diese motorisierten Fortbewegungsmittel zu sein. Für uns Fahrradfahrer sind Autos der natürliche Fressfeind. Dabei spielt es keine Rolle, mit welcher Art Brennstoff oder Energie der Antrieb versorgt wird.

Im vergangenen Jahr sind 2719 Menschen durch Verkehrsunfälle ums Leben gekommen. Das sind gut 10,7 Prozent weniger als 2019. Die Bilanz stammt vom ADAC, der möglicherweise nicht ganz unvoreingenommen ist. Aber er hat eine gute Erklärung für den Rückgang direkt in der Einleitung seines Artikels. Wegen der Corona-Pandemie waren einfach weniger Fahrzeuge unterwegs. Mit anderen Worten: Wenn die Leute alle zu Hause bleiben, wird auch keiner überfahren.

Wie dem auch sei, darum geht es mir eigentlich nicht. Sondern um den Zusammenhang zwischen Autoverkehr und Klimawandel. Allein in Deutschland beliefen sich die CO2-Emissionen durch den Verkehr auf 2019 auf 163 Millionen Tonnen. Ein leichter Anstieg im Vergleich zu 2018. Der Verkehr, insbesondere der Individualverkehr, ist eine nicht unbedeutende Stellschraube, um die CO2-Emissionen zu senken. Jeder Schritt in die richtige Richtung hilft. Das Problem vieler Maßnahmen ist jedoch, dass sie zwar wenig kompliziert sind, aber immer auch Einschnitte erfordern. Da wäre man doch eigentlich froh, wenn es etwas kostenlos gäbe.

Nicht umsonst, aber kostenlos

Wenden wir uns an dieser Stelle mal Ostfriesland, genauer gesagt der Seehafenstadt Emden zu. Eigentlich ist Emden ja auch eine Autostadt. Zumindest, wenn man als Maßstab das hiesige VW-Werk mit über 9.000 Mitarbeitern berücksichtigt. Das Werk soll mittelfristig zu einer reinen Produktionsstätte für E-Autos umgebaut werden. Kostenlos ist das für den Hersteller nicht, eine Milliarde Euro will VW in Emden investieren.

Ob E-Autos gut für die Umwelt sind oder eher das Gegenteil, darüber lässt sich trefflich streiten. Zum einen kommt Strom zwar aus der Steckdose, wird aber irgendwo produziert. Man kann also ein E-Auto fahren, dessen Strom aus einem Braunkohlekraftwerk stammt. Nur mal so am Rande erwähnt. Zum anderen sind die für die verbauten Akkus benötigten Rohstoffe wie Lithium und Kobalt äußerst problematisch. Aber dort, wo die E-Autos unterwegs sind, belasten sie nicht das Klima. Ist natürlich eine Milchmädchenrechnung. Kostenlos ist nie etwas, irgendwer bezahlt am Ende immer.

Bevor wir aber an dieser Stelle E-Autos grundsätzlich infrage stellen, denken wir das Thema einfach weiter. Grundsätzlich halte ich (Disclaimer dazu weiter oben) E-Autos für einen guten Schritt. Dazu gehört auch, dass ich deren Förderung genauso begrüße wie den einen oder anderen Bonus, den man als Fahrer eines E-Autos bekommt. Menschen sind halt so, sie wollen für richtiges Verhalten mit etwas belohnt werden.

Parken in Emden

Von daher halte ich die Idee, in der Innenstadt von Emden für E-Autos keine Parkgebühren zu erheben, für richtig und gut. Kostenlos parken mit E-Autos, das finden auch vier der fünf Ratsparteien in Emden gut. Es setzt tatsächlich ein Zeichen.

Mit Zeichen hat es allerdings die SPD nicht mehr so, sie ist ja („Glück auf!“) oft im Gestern verhaftet. Daher lehnten die Sozialdemokraten in Emden den Antrag für das kostenlose Parken von E-Autos ab.

Die Putzfrau mit Polo muss Parkgebühren bezahlen und diejenigen, die sich schon ein Elektroauto leisten können, brauchen das nicht.
Emder SPD-Fraktionschefin Maria Winter

Die arme Putzfrau, das Totschlagargument. Einleitend schrieb ich von schweren Entscheidungen, die manchmal notwendig sind. Hier haben wir wieder eine. Mit dem Putzfrauen-Argument kann man eigentlich fast alles verhindern. Die Einführung von Katalysator ebenso wie die von Breitbandanschlüssen (nutzt die Putzfrau nicht, hat auch keinen Computer). Ehrlich, liebe SPD, ich hatte euch für klüger gehalten. Gut der Fairness halber sie gesagt, dass diese Einschätzung schon etwas älter ist.

Im Übrigen, Spitzenreiter beim Kohlendioxid-Ausstoß weltweit ist Katar mit über 30 Tonnen im Jahr pro Kopf.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.