Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Der böse Wolf aus dem Märchen „Der Wolf und die sieben Geißlein“ aß keine Sprühkreide. Dafür regen sich andere tierisch auf.

Kreidezeit in Emden

Passend zum Tag der Arbeit am vergangenen Samstag wurde eine Forderung der Arbeitgeberverbände veröffentlicht. Nein, diesmal geht es nicht um Kritik an den Gewerkschaften und ihren Positionen, sondern ganz uneigennützig um eine Forderung. Es sei unabdingbar, die Schulen spätestens wieder nach den Pfingstferien zu öffnen. Hand aufs Herz, natürlich geht es nicht um das Wohl der Schülerinnen und Schüler, sondern um die Arbeitskraft der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die leidet nämlich „etwas“ dadrunter, wenn die Kinder zu Hause statt in der Schule sind.

Statt solche dahin gerotzten Forderungen wäre mal ein Bekenntnis zu flächendeckenden Corona-Tests am Arbeitsplatz fällig. Aber gut, was will man machen. Die kosten natürlich auch Geld, was man sich sicher nicht von den Beschäftigten zurückholen kann. Zumindest nicht von denen, wo es Betriebsräte und Gewerkschaften gibt, die den Arbeitgeber in so einem Fall auf die Finger hauen würden.

Wieder ein Beleg dafür, wie wichtig Betriebsräte und Gewerkschaften sind. Persönlich ist mir jedes Unternehmen suspekt, wo es keine solche Interessenvertretung gibt. Besonders die Firmen, die behaupten, man benötige so was nicht, da man sich super mit den Arbeitnehmern im Unternehmen verstehe.

Kommen wir aber mal zurück auf den 1. Mai, den Tag der Arbeit und auf das Thema Sprühkreide in Emden.

Sie setzen Sprühkreide ein!

Für den Tag der Arbeit hat sich Mitglieder der IG Metall eine besondere Aktion überlegt. Slogans wie „Solidarität hat Zukunft“ wurden in Emden in der Innenstadt Freitag Nacht auf Objekte gesprüht. Nein, natürlich mit Lack oder so was, sondern mit Sprühkreide. In fester Form steckt das etwa in Straßenmalkreide, die gerne von Kindern verwendet wird.

Der Emder Oberbürgermeister bekam trotzdem einen Anfall und kritisierte die Aktion der IG Metall und schärfster Weise, statt die Kirche im Dorf zu lassen. Solidarität sehe anders aus, schließlich müssten die Parolen von Mitarbeitern der Bau- und Entsorgungsbetriebe entfernt werden.

Wohl gemerkt, wir reden immer noch über Sprühkreide. Ein bis zwei Regenschauer und die löst sich von ganz alleine auf. Ich kenne das noch von Straßenmalkreide aus der autofreien Siedlung in Köln-Nippes. Nichts, wovor man sich fürchten müsste. Dennoch kochte etwa bei Facebook die Stimmung hoch (und auf deren Welle meinte OB Tim Kruithoff surfen zu müssen).

Ein wirklich Sachschaden entstand durch die Verwendung der Sprühkreide nicht, dennoch hagelte es Kritik von einigen Emderinnen und Emdern. Ehrlich, ich kann bei so was nur den Kopf schütteln. Als ob wir nicht gerade aktuell ganz anderer Probleme hätten. Zudem bin ich mal gespannt, ob jetzt Eltern von Kindern, die mit Straßenmalkreide in der Öffentlichkeit hantieren, mit einem Bußgeld rechnen müssen.

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