Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Nach wie vor sind Schülerinnen und Schüler abhängig von den Lehrkräften. Schlechter Unterricht hat oft Folgen.

Betrachtungen statt Bashing

Eins direkt vor weg. Mir geht es hier nicht um das Bashing von Lehrerinnen und Lehrer. Erstens haben sie Pauschalverurteilungen nicht verdient. Zweitens bin ich selber mit einer Lehrerin verheiratet. Drittens wäre ich fast selber auch Lehrer geworden. Mir geht es vielmehr um eine Betrachtung eines Phänomens: die Abhängigkeit der Schülerinnen und Schüler von den Lehrkräften und die Auswirkungen von gutem beziehungsweise schlechtem Unterricht. Dazu gehört natürlich auch ein Exkurs zu den Systemfehlern, die guten Unterricht erschweren, sogar verhindern.

Wie jeder von uns kann ich auf eigene Erfahrungen als Schüler im Unterricht zurückblicken — was leider bei manchen dann zum „Ich-kann-da-mitreden“-Phänomen führt. Eigene Erfahrungen als Maßstab für Beurteilung oder gar Richtschnur der Schulpolitik zu machen, ist immer gefährlich. Ein gutes Beispiel dafür ist etwa die NRW-Bildungsministerien Gebauer, die in dem Bundesland eine traurige Tradition verpfuschte Bildungspolitik vorsetzt. So was zeigt leider auch, wie stark die Lehrkräfte und das System Schule abhängig sind von der Politik. Schlechte Rahmenbedingungen lassen pädagogische Innovationen im Keim ersticken.

Wie sehr man selber als Schüler abhängig in seiner Entwicklung ist von dem, was in der Schule passiert, stelle ich immer wieder auch rückblickend fest.

Lebenslang abhängig vom lernen

Natürlich besteht die Gefahr, bei Rückblicken die Gegebenheiten zu verklären oder in einem düsteren Lich zu betrachten. Rückblicke sind auch immer subjektiv gefärbt. Ganz allgemein kann ich aber nicht behaupten, der von mir erlebte Unterricht wäre grundsätzlich gut oder schlecht gewesen.

Wenn ich meine alten Zeugnisse hervorhole, kann ich einigen der Beurteilungen zustimmen. Ja, so war ich und es hat Konsequenzen gehabt. Wie etwa zwei wiederholte Schuljahre. Man ist als Schülerin beziehungsweise Schüler nicht nur abhängig von Lehrern und den Rahmenbedingungen, sondern auch vom familiären Umfeld. Alles prägt uns und hinterlässt Spuren. Jede Aktion führt zu einer Reaktion, zu einer Entwicklung in eine bestimmte Richtung.

Bei einer ganzen Reihe von Lehrerinnen und Lehrer kann ich mit voller Überzeugung sagen, dass sie mich positiv geprägt haben und das ich ihnen dankbar dafür bin. Meiner Deutsch- und Klassenlehrerin auf der Realschule ebenso wie meinem Mathelehrer. Meinen Informatiklehrer. Vor allem auch meine Religionslehrerin am Gymnasium.

Dem gegenüber stehen Lehrkräfte, denen ich gerne noch mal die Meinung sagen würde. Allen voran meiner Musiklehrerin in der dritten Klasse, die ein noch immer anhaltendes Trauma bei mir hervorgerufen hat. Da ihr meine Stimme nicht passt, kam von ihr die Aufforderung, doch in ihrem Unterricht statt mitzusingen, nur leise zu summen.

Lehrer stehen mit ihrer ganzen Persönlichkeit in der Schule. Man ist abhängig von ihnen und ihnen auch ausgeliefert. Von gutem Unterricht kann man ein Leben lang zehren (Danke an dieser Stelle für meinen Informatiklehrer Herrn Meier und meinen SoWi-Lehrer Herrn Wanders).

Schlechter Unterricht wirkt sich leider auch aus. Der hängt nicht nur von Rahmenbedingungen oder der eigenen Einstellung ab, sondern auch von den Lehrkräften. Nach wie vor wundert mich es, wie aus einem Mathe-begeisterten Schüler mit einer soliden Zwei ein Vollversager in der Oberstufe werden konnte.

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