Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Seit Sonntag ist Armin Laschet nicht mehr der einzige Kanzlerkandidat in der Union. Die Ereignisse überschlagen sich.

Schweres Gerät aus Bayern

Bisher wurde gemunkelt, hinter vorgehaltener Hand spekuliert, jetzt ist es offiziell. Der Ministerpräsident von Bayern, Markus Söder, schmeißt seinen Ring in den Hut — oder so ähnlich. Statt eines sprechenden Hutes wird jedoch auf andere Weise entschieden, wer Kanzlerkandidat der Union im nächsten Wahlkampf und somit Kalif anstelle des Kalifen (beziehungsweise der Kalifin) wird.

Lang Zeit drückte sich Söder um ein klares Bekenntnis. Vermutlich deshalb, weil er nur dann Kanzlerkandidat werden will, wenn die Chance für ihn auf gut genug stehen. Wer will schon nach Berlin in die Opposition, wenn er König von Bayern bleiben kann? Mit zunehmend abnehmenden Umfragewerten steigt das Risiko für Söder.

Dennoch, sein Bekenntnis vom vergangenen Sonntag ist jetzt erst mal ein klares Signal. „Ja, ich will“, heißt es jetzt aus Bayern. Wollen ist eine Sache, Können eine andere (über die wir an dieser Stelle nicht diskutieren). Letztendlich entscheidet aber vor allem die CDU, wer ihr Kandidat wird.

Ich wie vor gilt das ungeschriebene Gesetz in Bezug auf den Parteivorsitzenden. Er habe, so heißt es, das natürliche Vorrecht darauf, in der K-Frage zu entscheiden, ob er selber möchte. Wenn er möchte, gibt es eine nicht geringe Wahrscheinlichkeit, dass er es auch wird.

Wer wird Kanzlerkandidat der Union?

Wie in den Medien berichtet wurde, hat auch Armin Laschet seine Bereitschaft signalisiert. Auch er möchte Kanzlerkandidat werden. Die Frage ist, ob es seine Partei auch will. Heute Morgen hat sich das CDU-Präsidium entschieden. Mit großer Mehrheit spricht es sich für Laschet als Kanzlerkandidaten aus. Angesichts seiner immer weiter abstürzenden Umfragewerte selbst im Kreis der CDU-Wähler ist das eine merkwürdige Entscheidung.

Ernsthaft muss man sich fragen, was überhaupt für Armin Laschet spricht. Besondere politische Leistungen können es genauso wenig sein wie gelungen Krisenmanagement während der Pandemie. Über Beliebtheit bei den Wählerinnen und Wählern (diese oben) brauch man auch nicht zu diskutieren.

Laschet sei ein Teamplayer, der zwischen unterschiedlichen Standpunkten vermitteln können. Das mag ihn als Parteivorsitzenden qualifizieren. Eine eigene Haltung entsteht dabei jedoch nicht zwangsläufig. Meiner Meinung nach ist die Entscheidung für Laschet ein großer Fehler. Andererseits möchte ich natürlich nicht, dass die Union die nächste Bundestagswahl so hoch gewinnt, dass einer aus ihren Reihen Bundeskanzler wird. Aber ich mich zwischen Pest und Cholera entscheiden muss, dann doch lieber Söder als Laschet.

Immerhin formell abgestimmt wurde nicht Präsidium, noch sind also alle Türen offen für Söder. Auch wenn es zunehmend schwerer wird.

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