Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Sensible Daten in der Hand von privaten Unternehmen sind kein Aprilscherz. Die Luca App macht ein Geschäft mit der Angst.

Kettensägenmassaker

Bei „The Texas Chainsaw Massacre“ handelt es sich um einen Horrorfilm aus dem Jahr 1974. Mindestens genau so zum Fürchten ist die Luca App, die im Kampf gegen Corona helfen soll. Aber der Reihe nach.

In der Süddeutschen Zeitung findet sich auf Seite zwei der Artikel „Käse schneiden mit Kettensägen“, in dem es um die App Luca geht. Laut SZ ein Konkurrenzprodukt zu staatlichen Corona-Warn-App. Bereits an dieser Stelle sollte jeder Bürger, der einigermaßen hell im Kopf ist, stutzig werden. Die offizielle Corona-App ist ein Open-Source-Projekt. Alles liegt offen, die Art und Weise, wie private Daten geschützt werden, lässt sich nachvollziehen. Bei Luca sieht es etwas anders aus. Hinter der App steckt ein Unternehmen aus Berlin und „einigen Kulturschaffenden, wie der Band „Die Fantastischen Vier“ — wie es auf der Website des Unternehmens heißt.a

Ziel der App ist die Kontaktverfolgung der Besucher für Veranstalter und Gastronomen, um im Bedarfsfall Gesundheitsämter zu informieren. Wenn die Information in der SZ stimmt, dann ist die App zwar für den Endbenutzer kostenlos. Bundesländer und Kommunen müssen für den Einsatz dann aber zahlen. Mit anderen Worten, hier fließen Steuergelder aus der öffentlichen Hand an ein privates Unternehmen, obwohl es ein staatliches Konkurrenzprodukt gibt – welches wesentlich datensparsamer ist.

Datensammelwut bei Luca

Bei Luca werden Daten zentralisiert gesammelt, es gibt „Privacy by Design“. Ein Team der Hochschule in Lausanne soll sich die Luca-App näher angesehen habe und unter anderem auch darin „geklauten Open-Source-Code“ gefunden haben, wie die SZ berichtet.

Das hinterlässt einen komischen Beigeschmack. Jeder persönlich muss sich die Frage stellen, ob er so einem Unternehmen und so einer App traut. Auch wenn bei der Corona-Warn-App am Anfang einiges schief gelaufen ist, vertraue ich ihr. Auch in Bezug drauf, was mit den wenigen Daten, die gesammelt werden, passiert. Bei Apps, die Daten über einen Zeitraum von mindestens 30 Tagen speichern, bin ich extrem skeptisch.

Gefährlich wird es vor allem dann, wenn die Luca-App Voraussetzung für den Besuch von Restaurants, Kinos und Geschäften so wie anderer Örtlichkeiten wird. Anders als bei sozialen Netzwerken kann man sich dann nämlich letztendlich der Nutzung nicht entziehen, wenn man am öffentlichen Leben teilnehmen will.

Mir macht so was Angst. Ich sehe darin keine Chance wie etwa „Die fantastischen Vier“, sondern eine Gefahr für die Gesellschaft, die über die derzeitige Pandemie hinaus geht.

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