Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Auf die eine oder andere Weise sind Microgreens in vieler Munde. Dabei ist das Thema eigentlich ein alter Hut.

Hip war gestern

Zum ersten Mal stolperte ich in der Süddeutschen Zeitung vor einigen Wochen über das Thema Microgreens. Kurz überflogen und wieder vergessen. In der SZ von diesem Kochende taucht das Stichwort im Artikel „Im Gartenhaus“ wieder auf. Es geht um die heilsame Wirkung von Gärten für die Seele.

Ehrlich, bei so viel Lobhudelei bin ich kurz davor, mir die Finger in den Hals zu stecken. Zur Erinnerung: Ich bin auf dem Land groß geworden, wir hatten ziemlich viel Garten. Den hätte ich ein großen Teil meiner Kindheit und Jugend zum Teufel gewünscht. Ein Garten bedeutet nämlich nicht nur frisches Gemüse, sondern auch eine Heidenarbeit. Verwöhnte Großstädter können sich so was vermutlich nicht vorstellen.

Wie dem auch sei, was in dem Artikel von Titus Arnu auf jeden Fall zutreffend ist, ist die Wirkung von selbstangebauten Gemüse auf die Wertschätzung von Lebensmittel. Unbestritten großartig ist es auch, selber ernten zu können. Das geht sogar, wenn man weder einen eigenen Garten, nichtmal einen Balkon hat. Damit sind wir dann beim Stichwort Microgreens. Wobei, noch nicht ganz, denn eigentlich ist das Thema ein alter Hut. Meine Frau und ich beschäftigen uns Seite Jahrzehnten mit Microgreens, ohne das wir es bisher wussten. Bei uns sind es gewöhnliche „Keimlinge“.

Keimlinge sind auch Microgreens

Während meiner alternativen Ernährungsphase in der Oberstufe kaufte ich mir von Barbara Rütting ein Buch über Sprossen und Keimlinge (ist leider meiner Wegwerf-Aktion zum Opfer gefallen, genau so wie das C++ Buch, welches ich gut für die Arduinio-Programmierung gebrauchen könnte). Seitdem gehören Sprossen und Keimling zum festen Bestandteil meines Speiseplans, auch wenn es mitunter mal längere Pausen gab.

Zur Anzucht verwende ich keine teuren Sets für Microgreens, sondern ein Weckglas und zwei Keimboxen, die ich schon seit über 30 Jahren besitze. Am liebsten hantiere meine Frau und ich derzeit mit dem Glas, da es sich hervorragend und der Spülmaschine sauber machen lässt. Alles kommt ohne Strom aus, Sprossen und Keimlinge sind auch mit der Fensterbank Nordseite völlig zufrieden. Auch wenn ich Smarthome mag, kann ich auf Smart Indoor Gardening gut verzichten. Schon beim Kaffeekapseln fand ich den Preis völlig überzogen, bei Samenkapseln für High-Tuch Geräte sieht es genau so aus.

Saatgut kauft man am besten beim Händler seines Vertrauens —und es lohnt sich, Preise zu vergleichen. Man kann etwa für Kresse-Samen für 2 g „OwnGrown Premium Gartenkresse“ genau so viel bezahlen wie für 120 g Bio-Kresse von Sonnentor. Bei Erstem bezahlt man mit, dass das ganze mit dem Schlagwort „Microgreens“ versehen wurde.

Kerze zu züchten ist im Übrigen ziemlich simpel. Es reicht ein Unterteller, ein Stück Küchenpapier und ein Teelöffel Samen. Das Küchenpapier wird auf den Unterteller gelegt und gut feucht gemacht. Den Samen streut man dann drauf und sorgt über vier bis fünf Tage einfach dafür, dass das Küchenpapier feucht (aber nicht komplett nass) bleibt. Dann wird geerntet, ganz ohne Garten.

3 Kommentare

  1. Hallo Herr Boley,
    falls es sie interessiert: Ich bin auch auf dem Land aufgewachsen, wir hatten einen ziemlich großen Garten, in dem ich als Kind oft Unkrauf gerupft, Rasen gemäht, Bohnen, Erbsen, Himbeeren etc. geerntet habe und das nicht besonders gerne mochte. Später bin ich in die Stadt gezogen, ohne ein „verwöhnter Großstädter“ zu werden und wohne jetzt wieder auf dem Land. In einem Haus mit Garten, den ich sehr genieße. Smart Gardening-Zubehör, Microgreens und Minigewächshäuser besitze ich nicht. Das nur zu Ihren unsachlichen Mutmaßungen und Unterstellungen, die Sie über mich schreiben, ohne mich zu kennen.
    Titus Arnu

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