Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Ein in die Länge gezogener Lockdown wirkt sich auf den Gemütszustand aus. Trotzdem sind manche aus anderen Gründen nicht mehr ganz bei Trost.

Hoffnung am rechten Rand

Auch in schwierigen Zeiten gibt es noch gute Nachrichten. Sogar aus der Domstadt Köln, beziehungsweise vom dort ansässigen Bundesamt für Verfassungsschutz. Die gesamte AfD wurde als Verdachtsfall eingestuft. Somit wird sie künftig vom Verfassungsschutz beobachtet. Das ist etwas heikel für diejenigen AfD-Mitglieder, die verbeamten sind. Natürlich wird die AfD alle erdenklichen Rechtsmittel einlegen, um die Beobachtung zu stoppen. In der Zwischenzeit darf man sich jedoch freuen. Der Demokratie sollte es gestattet sein, ihre Feinde zu beobachten.

Klar kann man darüber diskutieren, ob so eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz etwas bringt und noch zeitgemäß ist, so wie das Ronen Steinke in der Süddeutschen Zeitung hinterfragt. Als Gegenantwort jedoch sich auf das Volk berufen, welches zur Einsicht kommen muss, um die AfD überflüssig zu machen — persönlich halte das für blauäugig und gefährlich. Wie gut Einsicht funktioniert, merkend wir täglich im Lockdown und an denen, die ganz bewusst aus der Reihe tanzen.

Damit sind wird dann schon wieder beim Dauerthema Corona und am Ende der guten Nachrichten. Manche von uns mögen eventuell nicht mehr ganz bei der Sache sein. Zugegeben, auch mir hängt das Thema mittlerweile zum Hals raus. Hilft aber alles nichts.

Solidarität nicht mehr ganz

Einen beträchtlichen Teil meines persönlichen Durchhaltevermögens im Lockdown beziehe ich aus dem Gleichheitsgefühl. Der Lockdown betrifft uns alle. Einige wie mich vielleicht weniger schlimm wie andere. Am gestrigen Mittwoch wurde in der Bund-Länderberatung das weitere Vorgehen beschlossen. Fünf Öffnungsschritte, die an den Inzidenzwert gekoppelt sind. Die Zahl 35 ist vom Tisch, es bellt trotz Mutation bei einem Schwellwert von 50 und 100.

Meiner Meinung nach ist das sehr riskant und man kann in dem Zusammenhang auch nicht mehr ganz von einem Lockdown sprechen, wenn zahlreiche Ausnahmen in löcherig wie einen Schweizer Käse machen. Gottvertrauen auf die Vernunft der Bürgerinnen und Bürger zusammen mit den deutlich ansteckenden Varianten — es klingt mehr nach Roulettespiel als nach einem belastbaren Plan. Spätestens am 22. März gibt es eine erneute Runde, in der das weitere Vorgehen abgestimmt werden soll.

Soweit, so schlecht. Kommen wir aber zu Olaf Scholz, die Antwort der SPD auf die Frage, wie man garantiert die nächste Bundestagswahl erneut verliert. Scholz verabschiedete sich gestern vom Solidaritätsgedanken, als er die Aufhebung von Beschränkungen für bereits Geimpfte ins Spiel brachte. Bei so was kann man doch nur noch kotzen, nicht nur im Zusammenhang mit den Impfdränglern. So lange nicht jedem ein Impftermin angeboten werden kann, ist so was einfach nur asozial. Sorry, das muss mal so gesagt werden. Was kann ich dafür, dass ich frühestens im Sommer einen Termin bekomme, weil ich einer Gruppe mit geringer Priorität angehöre? So ich jetzt dafür noch zusätzlich bestraft werden und zusehen, wie andere, die bereits geimpft wurden, wieder ins Kino dürfen? Wer wie Scholz so was fordert, ist meiner Meinung nach nicht mehr ganz bei Trost.

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