Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Pharmaunternehmen sind keine karitativen Einrichtungen. Die Gewinnorientierung führt bei Impfstoffen jedoch mitunter zur Abzocke.

Vorschub für Kritiker

Aussagen wie „ich hab es ja immer schon gewusst“ hört man in diesen Tagen öfter. Pandemie, Lockdown und die Impfungen polarisieren den gesellschaftlichen Diskurs. Für die Kritiker, die sogenannten Querdenker, steht Grundsätzliches alles in Frage. Die Pandemie sei nur eine Erfindung, die Bundesregierung plane die Einführung einer Corona-Diktatur und durch die Impfung sollen uns Mikrochips zur Überwachung eingesetzt werden. Oder ähnliches wüst-wirres Zeug.

Wenn man schwarz-weiß denkt, kann die Welt supereinfach sein. Die Bösen sind schnell identifiziert. Egal ob das der Realität entspricht oder nicht. Unsinn wird einfach deshalb geglaubt, weil er ins eigene verquere Weltbild passt.

Es ist daher natürlich für die Gegner klar, dass es bei den Impfungen auch um Abzocke geht. Aus reinem Profit wollen die Pharmaunternehmen uns Medikamente andrehen. Und wenn es mal nicht so gut läuft, erfinden sie für die Verbesserung der Brillanz eine Pandemie. „Zufällig“ haben sie dann recht schnell einen Impfstoff zur Hand, an dem sie prächtig verdienen.

So weit das Szenario bekannter und weniger bekannter Querdenker und anderen merkwürdigen Gestalten.

Problematisch wird es leider dann, wenn die Wirklichkeit ihnen in Teilen recht gibt. Mit anderen Worten, wenn sich ihr krudes Weltbild durch Einzelfälle bestätigt. Selbstverständlich wird nicht ein einzelnes Unternehmen kritisch betrachten, sonder es ist die Pharmaindustrie. Man kennt so was ja auch anderen Zeiten, als man recht eine Bevölkerungsgruppe als Schuldigen ausmachte.

Vorzeigeunternehmen setzt auf Abzocke

Die Firma Biontech wurde in den vergangenen Wochen mehrfach als Retter gefeiert. Einschätzungen zu folge ist ihr Impfstoff verträglicher und wirksamer als etwa der von AstraZeneca. Aufgrund von Nebenwirkungen, die eigentlich nichts Ungewöhnliches sind, gibt es zur derzeit Tausende freie Impftermine. Viele Menschen haben Angst dem Impfstoff AstraZeneca. Jedoch, ein Impfstoff mit Nebenwirkungen ist besser als kein Impfstoff und das Risiko einer Erkrankung.

Wie dem auch sei, es soll hier nicht um die Vor- und Nachteile von AstraZeneca im Vergleich zum Wirkstoff von Biontech gehen. Sondern um etwas, was den Eindruck von Abzocke erweckt.

In der Süddeutschen Zeitung von heute wird groß über das Vakzin von Biontech unter der Überschrift „Ein vertrauliches Angebot“ berichtet. Möglicherweise erinnern wir uns daran, wie viel böses Blut entstand durch das zögerliche Handeln der Europäischen Union im vergangenen Sommer in Bezug auf den Einkauf eines Impfstoffes gegen Corona. Nach lesen des Artikels bewerte man den Vorgang möglicherweise anders.

Bei einer Abnahmemenge von 500 Millionen Dosen wollte Pfizer/Biontech der EU einen „Vorzugspreis“ von 54,08 Euro pro Dosis anbieten. Gut 27 Milliarden Euro wollte man auf diese Weise einkassieren. Zynisch wurde argumentiert, der Preis decke ja nicht etwa die Kosten für Forschung und Entwicklung ab, sondern nehme als Richtgröße den wirtschaftlichen Schaden durch die Pandemie, den man durch den Impfstoff verhindere.

Lack ist ab

Laut SZ wäre der Impfstoff von Biontech um das Zwanzigfache teurer gewesen als der von AstraZeneca. Ein deutsches Vorzeigeunternehmen unter dem Verdacht der Abzocke? Leider ja. Das die EU beim Einkauf zögerte, hängt wohl auch damit zusammen, was bereits an Geldern floss. Mehr Millionen Euro wurde in das Start-up an staatliche Hilfe investiert. Dazu noch 12,9 Millionen als Preis aus dem Spitzencluster-Wettbewerb des deutschen Forschungsministeriums, so wie 50 Millionen Euro Fördergelder aus den Töpfen der EU und schließlich noch 55 Millionen US-Dollar von der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung. Nicht zu vergessen ein Kredit über 100 Millionen Euro von der Europäischen Investitionsbank.

Hier stellt sich die Frage, inwieweit es nicht günstiger wäre, wenn sich so ein Unternehmen in staatlicher Hand befände. Das würde auch Diskussionen um Abzocke und Undankbarkeit verhindern. Freilich, den Impfstoff von Biontech macht das nicht schlechter. Es verschlechtert jedoch vermutlich die Impfbereitschaft, weil man denen, die die Motive der Pharmakonzerne hinterfragen, Munition frei Haus liefert.

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