Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Der zweite Lockdown in Deutschland geht in die Verlängerung. Schuld daran tragen die Mutationen des Virus ebenso wie halbherzige Maßnahmen.

Wirkung verpufft

Gestern tagten die Spitzenvertreter von Bund und Länder. Erneut ging es um die Pandemie und den Lockdown. Bereits vorher sickerten Informationen durch, schließlich bestätigte sich dann am Abend einiges davon.

Voraussichtlich bis zum 7. März geht der Lockdown nun weiter. Das ist für uns alle bitter. Selbst ich, der sich zu den Befürwortern zählt, spüre eine Ermüdung. Angeblich sei bereits viel erreicht, für mich persönlich fühlt sich das aber nicht so an. Nach wie vor ein Minimum an sozialen Kontakten, Einkaufen nur mit FFP2-Maske. Vor allem keine Aussicht auf Veränderung. Mir fehlt zunehmend die Perspektive. Wie eine vor der Nase hängende Karotte ist das Ende des Lockdowns außerhalb der Reichweite. Persönlich kann ich kaum etwas dazu beitragen, um die Zeit zu verkürzen.

Auf der anderen Seite hängt es letztendlich von jedem Einzelnen ab, wann der Lockdown beendet wird. Das Fehlverhalten von wenigen Menschen reicht aus, um weitere Maßnahmen erforderlich zu machen. Mutationen des Virus sind mittlerweile im Umlauf, die erheblich ansteckender sind.

Explizit warnte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel vor diesen Mutationen. Sie können die bisherigen Erfolge zunichtemachen, so Merkel. Sie appelliert daran, weiter durchzuhalten und mit gemeinsamen Anstrengungen aus der Pandemie heraus zu kommen.

Nicht nur Mutationen

Dabei sind nicht nur die Mutationen das Problem, sondern eigentlich das ewige hin und her. Es fehlen klare Ansagen und wirklich durchgreifende Maßnahmen. Lockerungen gibt es gefühlt für diejenigen mit der lautesten Lobby. Entscheidungen werden mitunter nicht aus medizinischer Sicht gefällt — zumindest ist das mein Eindruck.

Fast täglich, nein, wirklich täglich diskutieren meine Frau und ich über das Thema. Über die Mutationen genau so wie über Schulöffnung. Auch ohne Kinder sind wir davon betroffen. Wenn man wirklich Schulen öffnen will, sollte man die Prioritäten bei der Impfung anders setzen. Nur so kann das Risiko wirklich gesengt werden. Zudem wirkt das den Eindruck entgegen, es würden Lehrkräfte mutwillig „geopfert“.

Mir ist bewusst, wie stark Kinder und Jugendliche unter der Schulschließung leiden. Der Artikel in der Süddeutschen Zeitung heute und der Bericht gestern in der ARD dazu waren eindringlich. Das Leid dieser Gruppe darf aber nicht Anlass sein, die Gesundheit einer anderen Gruppe aufs Spiel zu setzen.

Merkwürdige finde ich bei den Beschlüssen von gestern die Sache mit den Friseuren. Diese sollen ab dem 1. März wieder öffnen dürfen. Mit der Auflage, die Kinderzahl durch Terminvorgabe zu steuern (was bereits vor dem zweiten Lockdown der Fall war) und der Verpflichtung zu OP-Masken oder solche mit FFP2-Standard. Ganz ehrlich, unter den Bedingungen könnten die Friseure auch bereits heute öffnen. Mir fehlt der Nachweis, dass derzeit von Friseuren eine besondere Gefährdung ausgeht.

Als neuer Richtwert wurde ein Inzidenzwert von höchstens 35 angesetzt — da ist sie wieder, die Möhre.

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