Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Beim heutigen Corona-Gipfel wird um den Lockdown-Ausstieg gerungen. Den Geburtstag Feiernden in einer Kölner Wohnung ist das herzlich egal.

Arschbacken zusammenkneifen

Ganz ehrlich, mir hängt der Lockdown auch zum Hals raus. Nach wie vor gehören meine Frau und ich zu denjenigen, die sich strikt an die Regeln halten. Mit dem Effekt, hier in Emden noch fast keinen zu kennen. Soziale Kontakte beschränken sich auf einmal die Woche an der Supermarktkasse.

Trotzdem heißt es, Arschbacken zusammenkneifen und weiter so durch den Lockdown. Jede Art von Regelverstoß führt nämlich nur dazu, dass es am Ende alles noch schlimmer wird. Wenn man nicht gerade selber die Quittung bekommt, müssen andere die Rechnung zahlen. Die Einschläge kommen näher, so hat es etwa auch unseren Maler erwischt. Der Inzidenzwert für Emden liegt schon wieder bei über 60.

Sollte der Lockdown noch bis Ostern verlängert werden, könnte ich ernsthaft in Versuchung geraten — statt Undercut auf 6 Millimeter gleich den ganzen Rest ebenfalls kürzen.

Kommen wir aber zum Geburtstag. Anfang des Jahres bin ich selber 50 geworden, in aller Stille, wie es so schön heißt. Es hat bei mir ja schon fast Tradition, den Geburtstag nicht zu feiern. Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen, dennoch gab es für den 50. bei mir doch leicht andere Vorstellungen, wie ich den Tag verbringen wollte. Nicht mal Urlaub war möglich, aber so ist das dann halt.

Pandemie feiert Geburtstag

Mein Bezug zum eigenen Geburtstag ist wohl eher die Ausnahme. Jeder kann und sollte sein so feiern, wie er möchte. Zumindest dann, wenn niemand anderes zu Schaden kommt und keine Grenzen überschritten werden. Genau da sind wir dann wieder bei Corona und beim Lockdown.

In den vergangenen Wochen gab es eine klare Ansage. Man darf sich nur mit einer nicht zum Haushalt gehörenden Person treffen. Die Feinheiten wie etwa das zeitliche Fenster lassen wir hier mal weg, denn theoretisch kann man sich alle 10 Minuten mit einer anderen Person treffen.

Die Bundesregierung hat hier auf den gesunden Menschenverstand gesetzt, was aber leider auch ein großer Teil des Problems ist. Von Thomas Brussig gab es am Dienstag unter dem Titel „Mehr Diktatur wagen“ einen ziemlich guten Gastartikel in der Süddeutschen Zeitung. Schon beim lesen konnte ich mir von Wut erfüllte Menschen mit Schaum vor Mund vorstellen, denen die Meinung von Brussig total gegen den Strich geht.

Wie dem auch sei, im Lockdown gab es und gibt es immer mal wieder kleiner Verstöße. Manche davon vielleicht sogar aus Unachtsamkeit und nicht aus Absicht.

Regelverstöße hart ahnden

Allerdings gibt es auch immer wieder Fälle, wo bewusst und mit Genuss jegliche Vorsicht außer acht gelassen wird. Eine aktuelles und meiner Meinung nach sehr krasses Beispiel ist die Geburtstagsfeier in Köln, die durch einen Polizeieinsatz aufgelöst wurde. In einer angemieteten Ferienwohnung feierte eine Aachenerin mit 26 Gästen ihren Geburtstag. Schon zu normalen Zeiten wäre das bis tief in die Nacht hinein in einem Mehrfamilienhaus problematisch gewesen.

Jetzt, während des Lockdowns 27 Leute in Ferienwohnung — da stimmen dann gleich zwei Sachen nicht. Der Vermieter der Wohnung wird sich auf jeden Fall auf unbequeme Fragen durch die Behörden einstellen müssen. Gegen die Feiernden werden Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Angemessen wäre ein Bußgeld, was wirklich weh tut. Von Freiheitsstrafen träumen wir hier lieber erst gar nicht.

Es geht hier nicht um nächtliche Ruhestörung der Nachbarn, sondern um eine Gesundheitsgefährdung, die schwerwiegende Folgen haben kann. Mir fehlt das Verständnis dafür, warum man angesichts einer Pandemie nicht in der Lage ist, mal einen Geburtstag ausfallen zu lassen.

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