Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Richtung Süddeutschland gibt es den Weißwurstäquator. Hier in Ostfriesland verläuft eine Grenze zwischen Bünting und Thiele.

Eine Tee-Frage

Recht schnell habe ich als Neu-Ostfriese begriffen, dass es hier in der Region eine Tee-Grenze gibt. Auf der eine Seite leben diejenigen, die dem Hersteller Bünting ihre lebenslange Treue geschworen haben. Andere hingegen lassen sich nicht von ihrem Lieblingstee der Firma Thiele abbringen. Genauer gesagt wurde mir der Unterschied in der Tee-Kultur bereits im Frühjahr 2019 durch einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung vor Augen geführt. Bünting oder Thiele ist hier eine echte Glaubensfrage.

Seltsam finde ich das persönlich nicht, sondern spannend. Meine Entscheidung traf ich nicht, bevor die Pläne zu einem Umzug nach Emden konkret wurden. Mir schmeckt der Tee von Thiele einfach besser. Abgesehen davon find ich die Verpackung deutlich ansprechender gestalte (ja, ich stehe auf so was, auch bei Wein).

Als sich das Ziel unseres neuen Lebensmittelpunktes klarer abzeichnet, sprach umso mehr für Thiele. Wer in Emden lebt, sollte auch einen lokalen Hersteller unterstützen. Zumal einen, der ausschließlich Tee produziert und nicht nur nebenbei. Aber dazu später mehr.

Im Übrigen, Unternehmen in Familienbesitz haben für mich auch einen besonderen Reiz. Die eher grundsätzliche Frage bei mir ist wohl eher, warum ich überhaupt beim Ostfriesentee gelandet bin. Das ist dann leider eine eher traurige Geschichte, denn seit Anfang 20 zählte ich mich zu den passionierten Liebhabern von feinsten Darjeeling. Vor ein paar Jahren stellte ich dann fest, dass ich diesen überhaupt nicht mehr vertrage. Er sorgt bei mir für Sodbrennen, egal welche Sorte oder Hersteller.

Traurig, weil ich gerade den Second Flush mit einem schönen Tag im Herbst verbinde. Kommen wir aber zu Bünting.

Mischkonzern Bünting

Wenn ich richtig informiert bin, ist Bünting ein Konzern, der nebenbei auch Tee produziert. Dabei ist er entstanden aus dem Teeverkauf, denn in der Anfangszeit wurde vornehmlich mit Tee gehandelt. Die genauen Hintergründe der Firmenentwicklung interessierten mich eigentlich nicht, denn wie bereits erwähnt, gehöre ich zur Thiele-Fraktion.

Vor Weihnachten sah ich dann im Combi (eine Supermarktkette hier aus der Region) eine Frau an der Kasse mit einem Mitarbeitergutschein von Bünting bezahlen. Es wunderte mich, aber weiter darüber nachgedacht hatte ich dann auch nicht.

Diese Woche gab es dann in der Emder Zeitung einen Artikel über die Neutor-Arkaden. Da soll auch ein Combi rein (hoffentlich nicht als Ersatz für den bei uns um die Ecke). Ersten Plänen zu folge soll das ein moderner Markt ohne Personal werden — mal schauen.

Jedenfalls, durch den Artikel wurde mir dann klar, dass Combi zur Büntig-Gruppe gehört. Aber nicht nur das. Auch die Handelsmarken Naturwert bio, Goldmarie, Küstengold und Jeden Tag gehören zu Bünting. Insofern fallen die 1 kg Thiele-Tee alle zwei Monate nicht ins Gewicht, wenn ich sehe, was sonst so im Einkaufswagen landet. Also schlägt der Konzern aus Leer Thiele. Sieger im Herzen und in der Teetasse bleibt aber das Emder Unternehmen.

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