Von allen guten und bösen Geistern verlassen

„Neuer Kollege. Hat seinen ersten Tag.“
Die beiden Polizisten schienen zu grinsen. Jedenfalls hat Badinger genau diesen Eindruck. Hoppe schob das Absperrband hoch und ließ Badinger den Vortritt. Badinger duckte sich. Beim hochkommen stieß er mit einem Mann zusammen, der sich an der Haustür gerade einen der typischen weißen Schutzanzüge überstreifte. Badinger wollte an ihm vorbei durch die Tür, als der Mann ihn zurückhielt.

„Kollege, du willst doch wohl nicht ohne.“

„Der ist neu.“, rief Hoppel von hinten.

„Sehe ich selber, aber nicht mehr grün hinter den Ohren, würde ich meinen.“

Badinger setzte eine zerknirschten Gesichtsausdruck auf und ließ sich einen Überzug reichen.

„Elmar Fleisch.“

„Wie bitte?“ Badingers Ausdruck wechselte von zerknirscht zu irritiert. „Heiß so der der Tote?“

„Nein, dass bin ich.“

„Sie sehen aber noch sehr lebendig aus.“

„Touche.“ Fleisch von der Spurensicherung reichte Badinger die Hand.

„Du bist also gemeint wenn es heißt, Fleisch von der Spurensicherung.“

Hoppel hinter ihnen hatte sich schon eingepackt.

„Lasst es uns hinter uns bringen. Viel zu warm für die Verkleidung.“

Zu dritt betraten sie den Geschäftsraum des Kunsthändlers Phillip Mäder. Auf Grund der niedrige Decke zog Fleisch den Kopf ein, was ihn zusammen mit seiner hageren Gestalt wirken ließ wie ein Totengräber aus einem schwarz-weiß Western. Badinger behielt den Gedanken jedoch für sich. In Geschäftsraum drang von draußen spärliches Sonnenlicht herein. Die Holzdielen schimmerten in einem warmen Honigton. Die Glassplitter schimmerten wie ein Teppich ausgebreitete Diamanten, über die ein Glas voll Blut gekippt worden war. Der erste Blick von Badinger fiel auf den Toten, der auf den Bauch lag. Sein linker Arm war angewinkelt, der rechte zeigte ausgestreckt am Kopf vorbei Richtung Ausgang. Neben der Leiche befand sich eine etwa 80 cm hohe Marienstatue, die an der Vorderseite mit Blut verschmiert war. Am Hinterkopf von

Mäder befand sich die dazu passende Wunde.

„Sieht ganz nach einem Rauüberfall aus“, kommentiere Hoppel die Szenerie. Fleisch zuckte mit den Schultern.

„Zieh du deine Schlüsse, ich mach erstmal meine Arbeit.“

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