Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Über den richtigen Fischgeschmack lässt sich genau so wie über den Geruch streiten. Unaufdringlich ist meistens am besten.

Eingraben ist auch marinieren

Spontan werden die meisten von uns bei der Frage, was „Graved Lachs“ eigentlich ist, auf marinierten Fisch tippen. Ursprünglich bedeutet „graved“ jedoch eingegraben. Eingegrabener Fisch entwickelt sich eher selten außerhalb bestimmter Regionen zu einem Verkaufsschlager. Wir können daher auch in den kommenden außergewöhnlichen Weihnachtstagen beruhigt zu Graved Lachs greifen, ohne einen strengen Fischgeschmack befürchten zu müssen.

Anders sieht es jedoch bei schwedischen Surströmming aus. Eine angebliche Delikatesse, bei welcher der Fisch längere Zeit vergraben in einer Dose vergammelt. Der Geruch muss wirklich grausam sein. Von Fischgeschmack brauch man in so einem Fall überhaupt nicht mehr zu reden. Von eigenen Experimenten habe ich abgesehen. Für meinen Teil bevorzuge ich Fisch vor allem Frisch. Bezüglich des Fischgeschmacks stehe ich auch auf dem Standpunkt, der der typisch fischige Geruch und Geschmack eher etwas ist, was auf mangelnde Frische hinweist.

Darüber lässt sich natürlich auch streiten, genau wie über Brettspielrezensionen. Das Thema eigene Website dazu lasse ich mal unter den Tisch fallen, der Fisch ist für mich tatsächlich gegessen — beziehungsweise wird im Frühjahr 2021 vergraben.

Auf den Fisch gekommen bin ich in Bezug auf Brettspiele durch das Editorial in der aktuellen Ausgabe der spielbox.

Abschied ohne Fischgeruch

„So long, and thanks for all the fish“ — so nennt sich der vierte Band der „The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy“-Reihe von Douglas Adams. Wir erinnern uns: Die Delfine sind völlig missverstanden worden. Und ja, wer Delfine für Fische hält, hat im Bio-Unterricht nicht aufgepasst.

Zurück aber zum Editorial von Matthias Hardel, welches mit „Danke für den Fisch“ betitelt wurde. Es ist ein Rückblick in eigener Sache, denn Hardel hört auf. Persönlich finde ich das bedauerlich, denn er hat zuletzt die Fahne der Konfliksimulationsspiele in der spielbox hochgehalten. Warum, das begründet Handel im Editorial. Ihm seien, so Handel, Konfliktsimu- lationsspiele immer mehr ans Herz gewachsen. Den Weg dorthin zeigt er vorher auf.

Für mich ist das mehr als nur ein Weg, den ich nachvollziehen kann. Meine Frau und ich sind diesen Weg selber gegangen. Natürlich gibt es bei Konfliktsimulationsspiele (ich für meinen Teil bevorzuge eigentlich den weniger sperrigen Begriff Wargame) auch Gewinner und Verlierer laut Spielregeln. Dennoch, wie Hardel es auf den Punkt bringt, der Weg ist das Ziel. Es ist enorm spannend, sich gegenseitig Ratschläge über optimale Züge zu erteilen, gemeinsam die Möglichkeiten zu entdecken und das „Was wäre wenn?“ auszuloten.

Konfliktsimulationsspiele sind eine Art Fels in der Brandung. Immer schneller dreht sich das Neuheitenkarussell, immer lauter und bunter wird darüber berichtet. Spiele verschwindet schnell wieder in der Versenkung.

Bedingungslose Kapitulation

„There is something fishy“ — eine schöne englische Redewendung, wenn etwas faul an einer Sache ist. Einen Art Fischgeschmack bei Brettspielen gibt es diesbezüglich wohl schon länger. Ich für meinen Teil habe das Interesse an Eintagsfliegen verloren. Will mich einlassen auf Spiele, die eine gewisse Form der Einarbeitung benötigen. Die man aber dann über Tage auf dem Tisch liegen lässt und sie über einen ebenso langen Zeitraum spielt — eine Partie, wohlgemerkt.

Die meisten Konfliktsimulationsspiele werden auch nicht alt, sie folgen keinem Hype. Man holt sie dann für sich aus dem Regal, wenn man bereits für sie ist. Insofern freue ich mich schon auf den Tag, wenn bei uns zu Hause „Unconditional Surrender!“ auf den Tisch kommt. Spielzeit laut Bordgamegeek irgendwas zwischen 60 und 3000 Minuten.

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