Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Einbürgerungstest für Ostfriesland

Auswanderungen sind oft auch mit einem Einbürgerungstest verbunden. Erst nach erfolgreichem Besten ist man angekommen.

Neue Heimat Ostfriesland

Selbstverständlich ist das ganze Thema heute hier etwas hoch gehängt. Streng genommen sind wir „nur“ von einem Bundesland in ein anderes ausgewandert. Zudem auch noch aus einem Nachbarbundesland, was uns nicht über eine Sprachbarriere stolpern lässt. Man spricht hier Hochdeutsch oder Platt. In Bayern wäre die Verständigungsprobleme deutlich größer gewesen.

Bleiben wir aber bei der Sprache. Gerade jetzt um Nikolaus herum fällt mir das besonders auf. Wie ich „gelegentlich“ erwähne, bin ich geboren und aufgewachsenen in einer Region, die sich Niederrhein nennt. Zum Nikolaus und ein paar Tage davor und danach gab es bei uns Stutenkerle. Die in Bielefeld zu bekommen, erwies sich im Studium als extrem schwer. In Köln gab es da nie Probleme mit, wenn man denn die richtige Bezeichnung dafür kannte. Weckmänner. Gerne auch mit Lutscher statt mit Tonpfeife.

Hier oben in Ostfriesland heißen sie so, wie es sich gehör: Stutenkerle. Nur echt mit der Tonpfeife. Daher sind mir die Ostfriesen einfach sympathisch. Ob das auch umgekehrt gilt, wird sich dann in den folgenden Monaten zeigen. Noch ist keiner an uns herangetreten und hat einen Einbürgerungstest verlangt.

Grünkohl als Einbürgerungstest

Ob es „offiziell“ einen Einbürgerungstest gibt, lässt sich nur schwer beantwortet. Ein richtiger Einbürgerungstest in Ostfriesland ist wohl auch nicht vorgesehen. Es kommt wie in allen anderen Regionen darauf an, ob man sich einlassen will. Dazu gehört das Zugehen auf die Menschen hier genau so wie das Verstehen dessen, was Land und Leute ausmacht. Und klar, Integration bedeutet auch einlassen auf die kulturellen Besonderheiten.

Das mit dem Tee fiel mir besonders leicht, wobei ich bei einem Einbürgerungstest durchfallen würde. Kluntje geht immer, aber ich mag ihn englisch, mit Milch statt mit Sahne. Jetzt in der Winterzeit gibt es im Übrigen einen weiteren Prüfstein hier oben in Norddeutschland.

Der wohl ultimative Test ist die Grünkohl-Probe. Wer nicht gerade hier Ostfriesland geboren wurde, kann sich im Grunde genommen nicht leisten zu sagen: „Ich mag keinen Grünkohl“.
Zum Glück wurde mir als Niederrheiner der Grünkohl mit in die Wiege gelegt. Meine Frau konnte ich vor längerer Zeit bekehren. Ostwestfalen hat in Bezug auf Grünkohl eigene Traditionen, für mich schmeckt die dortige Wurst nach Seife und der Grünkohl ist eher eine Suppe.

Köln kam in der Hinsicht schon näher ran an das, was ich vom Niederrhein kannte. Aber kein Vergleich zu dem, wie man im Norden beziehungsweise Ostfriesland den Grünkohl zelebriert.

Zubereitung Grünkohl

Für die Zubereitung gibt viele unterschiedliche Rezepte. Über die Jahre bewährt bei mir hat sich der Klassiker aus Kindheitstagen. Quasi als eine Art Einbürgerungstest werde ich mich heute an eine Variante wagen. Die Zubereitung mit frischem Grünkohl. Ja, ich weiß, der hat noch keinen Frost gesehene, wie mein Friseur gestern zu recht sagte. Vorab bin ich mir auch nicht sicher, ob sich der Aufwand lohnt und ich mir das noch mal antun werde.

Hier oben im Norden ist die Versorgungslage mit erstklassiger TK-Ware nämlich hervorragend. In unsrem Stamm-Supermarkt gibt es im Gefrierbereich Beutel mit küchenfertigen Grünkohl, also geputzt, blanchiert, grob gehackt und lose eingefrorenen. Ganz anders als die TK-Blöcke von Iglu und vor allem in jeder Portionsgröße. Es gibt sogar einen extra Bereich mit allem, was man rund um den Grünkohl-Eintopf benötigt. Ein wahres Eldorado für Grünkohlliebhaber wie mich. Ehrlich, so fühlt sich Heimat an.

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