Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Die Benutzung von Bus und Bahn ohne Fahrkarte beziehungsweise Fahrschein kann teuer werden. Das erst Mal ohne ist ein merkwürdiges Gefühl.

Leben ohne BahnCard 100

Diese Woche hat meine BahnCard 100 ihre Gültigkeit verloren. Damit befinde ich mich zum ersten Mal in einer völlig neuen Situation. In meinem Portemonnaie befindet sich damit keine gültige Fahrkarte mehr. Ein einfaches Einsteigen in den nächsten Zug oder die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel ohne nachzudenken ist damit nicht möglich. Beziehungsweise schon möglich, wenn man entweder das Risiko eingeht, schwarz zu fahren oder eine reguläre Fahrkarte löst.

Seit fast 30 Jahren befinde ich mich zum ersten Mal in dieser Situation. Bis jetzt hatte ich entweder ein Studierendenausweis, der gleichzeitig auch Fahrausweis für bestimmte Strecken war, ein Monatsabo oder aber eben wie in den letzten 10 Jahren eine BahnCard 100.

Für einen ehemaligen Vielfahrer wie mich ist das schon etwas, wo ich schlucke muss. Es ist, als ob einem etwas fehlt — was es ja tatsächlich auch tut. Zumindest die Illusion von Freiheit und unbegrenzten Möglichkeiten. Im Alltag reduzierte sich die Nutzung der BahnCard 100 recht schnell auf realistische Größen. Mal eben am Wochenende zum Hamburger Fischmarkt kam nicht infrage. Erstens, weil meine Frau keine BahnCard 100 besaß und zweitens, weil ich zumindest am Wochenende mal keine Bahn fahren wollte.

Die Fahrkarte bitte!

Zu einem Leben ohne Fahrkarte beziehungsweise BahnCard 100 führten insbesondere zwei erhebliche Veränderungen im Leben. Der Wechsel schon vor zwei Jahren zu 100 Prozent Home Office machte die BahnCard 100 eigentlich überflüssig. Allerdings hielt ich an ihr fest, weil es auch ein Stück weit ein Prestigeobjekt ist. Vor allem, wenn man kein Auto besitzt. Wie ein Auto, was nur in der Garage steht, ist eine ungenutzte BahnCard genau so überflüssig. Allerdings konnte ich in Köln damit die KVB benutzen — zumindest vor dem ersten Lockdown.

Hier oben in Emden / Ostfriesland verlor die BahnCard 100 jedoch endgültig ihre Funktion. Es gibt in Emden weder U-Bahn noch Straßenbahn, und wohin sollte ich regelmäßig mit dem Zug fahren? In Urlaub geht es mit dem Taxi zum Außenhafen. Die Fahrkarte, die ich dann brauche, ist eine Fährkarte.

Den Alltag bestreite ich darüber hinaus mit dem Fahrrad. In der Garage stehen mittlerweile drei. Eins von meiner Frau und zwei von mir. Ob wir im nächsten Jahr dann wie mal geplant ein Auto anschaffen, ist mehr denn je fraglich. Fürs alltägliche reichen die Fahrräder, die halten auch fit.

Im Urlaub brauchen wir kein Auto, sondern lediglich für den Transport größerer Anschaffungen oder gelegentlichen Ausflügen. Dafür lohne sich aber die monatlichen Fixkosten einfach nicht.

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