Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Im Alter von 79 Jahren verstarb der Fernsehkünstler Karl Dall. Eine weitere prägende Persönlichkeit verschwindet damit.

Schwerer Rückblick

Als ich am Wochenende über das Aussterben der Emder schreib, ahnte ich noch nichts vom Tod eines berühmten Emder. Genau wie Otto Walkes wurde Karl Dall nämlich in Emden geboren. Genau wie Otto ist Dall für mich einer der Menschen aus der Kindheit. Eine Fernsehbekanntschaft, wenn man so will. Anders als Otto fällt es mir aber bei Dall schwer, einen bestimmten Moment oder ein Bild aus der Zeit hervorzurufen. Irgendwie geisterte er immer durch diverse von mir aufgeschnappte Sendungen, aber konkret bekomme ich ihn nicht zu fassen.

Eine Rolle hat er gespielt auf jeden Fall. Erst durch nachlesen an anderer Stelle kam etwas Licht ins Dunkel. Er hatte zahlreiche Auftritte in der Sendung „Verstehen Sie Spaß?“ mit Kurt und Paola Felix — in dem Zusammenhang wurde mir erst jetzt bewusst, dass Kurz Felix bereits 2012 verstarb.

Was für ein großartiger Mensch mit Karl Dall von uns gegangen ist, wird einem beim stöbern auf seiner Website so richtig bewusst. Der Film unten auf der Startseite ist absolut sehenswert, genau so wie die Bildergalerie.

Nach wie vor beeindruckt mich an Dall wie an vielen seiner Zeit ein Detail in seiner Biografie.

Quereinsteiger Dall

Karl Dall gehörte zu den Quereinsteiger im Showgeschäft und landete dort nach einer durchwachsenen Schullaufbahn, einer angefangenen Lehre als Schriftsetzer in ostfriesischen Leer hielt er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Zusammen mit Ingo Insterburg gründete er die Gruppe „Insterburg & Co“, die als Beginn seiner späteren Karriere angesehen werden kann.

Bunte Lebensläufe wie die von Dall gefallen mir, sind aber in einer zunehmend auf Taklung und Erfolg ausgerichteten Gesellschaft seltener geworden. Schmerzhaft gerade in diesem Jahr durch Corona wird uns bewusst, wie stark sich alles verändert hat.

Während wir in einer technisch hoch spannenden Zeit leben, stagnieren an andere Stelle die Entwicklungen oder aber es gibt rückwärts gewandte Trends.

Nicht nur ein einzelner Mensch ist gestorben, sondern für mich gefühlt mehrere Jahrzehnte. Wir sollten uns fragen, welche Karriere etwa bei den Fernsehsendern noch möglich sind. Aber auch, welche Ansprüche wir noch in Bezug auf Fernsehen habe. Oder ob das ebenfalls bereits auf dem Sterbebett liegt. Durch Netflix und Co wird es insbesondere in Bezug auf den öffentlichen Rundfunk möglicherweise auch bald heißen, er sei „friedlich eingeschlafen“.

Noch mal zurück zu Dall. Seine Blödeleien polarisierten, hatten aber erheblich mehr Niveau aus das, was andere in den letzten Jahren verbrochen haben.

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