Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Im Rahmen der zweiten Corona-Welle lernen die Bundesbürger neue Begriffe. So etwa das Damoklesschwert namens Inzidenzwert.

Die perfekte Welle

„Mit jeder Welle kam ein Traum“ — so beginnt der Song „Die merkte Welle“. In Bezug auf Corona und die zweite Welle wäre das dann allerdings eher ein Albtraum. Vorweg für alle Verschwörungs-Spacken da draußen: Wir brauchen hier an dieser Stelle nicht zu diskutieren, ob es Corona gibt und die bisherigen Maßnahmen der Bundesregierung übertrieben sind. Genauso wenig bringt es etwas, mit mir über die zweite Welle zu diskutieren. Die hat uns nämlich bereits mit voller Wucht getroffen, selbst wenn man es nicht wahrhaben will.

Es bleibt abzuwarten, wann und mit welcher Heftigkeit uns alle die Auswirkungen treffen. In der Seefahrt spricht man von Ratten, die das sinkende Schiff verlassen. Ein untrügliches Zeichen eines nahenden Untergangs. Einen möglicherweise bevorstehenden Lockdown erkennt man an den wieder einsetzenden Hamsterkäufen. Wer immer optimistisch davon überzeugt ist, Menschen würde aus Fehlern lernen, wird eines Besseren belehrt. Das sinnlose Horten von Klopapier, Mehl und Hefe fängt wieder an.

Möglich, dass die Angst diesmal nicht unberechtigt ist. Die Zahlen wirken auf mich weitaus heftiger als im Frühjahr. Ein wichtiges Kriterium bei der Beurteilung der aktuellen Lage ist der sogenannte Inzidenzwert.

Köln ignoriert Inzidenzwert

Ein Indenzfall ist laut Wikipedia ein Zwischenfall. Der Inzidenzwert gibt demnach die Anzahl der Zwischenfälle an. Die Bezugsgröße im Rahmen der Corona-Pandemie ist dabei die Anzahl der Neuinfektion je 100.000 Einwohner innerhalb von 7 Tagen (vgl.: Indenz).

In München führte die Überschreitung am Wochenende der Inzidenzwert 100. Es folgte eine Verschärfung der Maßnahmen zur Eindämmung, unter anderem etwa die Senkung der Sperrstunde auf 21 Uhr. Als ich davon hörte, musste ich erst mal schlucken. Es sind harte Schritte, die aber kaum zu vermeiden sind.

Noch mehr schlucken musste ich allerdings, als ich von Köln las. Dort Inzidenzwert mittlerweile bei über 177. Maßnahmen? Muss man mit der Lupe suchen. Auf Einkaufsmeilen gilt die Maskenpflicht, ansonsten aber bleiben Sport- und Spielplätze genau so wie Schwimmbäder und Fitnessstudios geöffnet. Man scheint dort im Rheinland nach der Devise „Et kütt wie et kütt“ zu leben — und wohl auch zu sterben.

Ehrlich, ich bin entsetzt. Während man in München den Inzidenzwert ernst nimmt, scheint es in Köln nahezu egal zu sein. Das wird nicht ohne Folgen bleiben. Vorauszusehen war das Verhalten der Kölner leider. Wirklich ideal ist es hier oben in Ostfriesland in Bezug auf Corona allerdings auch nicht. Emden steht schon bei einem Wert von 40, Tendenz steigen. Bliede-Park? Die nächste Fahrt geht rückwärts…

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