Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Das Brettspiel Root lebt nicht allein von tollem Spielmaterial. Es überzeugt auch aufgrund des Wiederspielwertes.

Einfach ausgezeichnet

Aus einem separaten Zimmer für Brettspiele mit Spieltisch ergibt sich ein intensiveres Spielvergnügen. Es besteht keine Notwendigkeit, den Tisch für andere Zwecke freimachen zu müssen. Daher können Spiele auch einfach auf dem Tisch liegen bleiben, selbst über mehrere Tage. Muss nichts vor einer Partie aufgebaut werden, verführt das zum häufigeren spielen. Im Übrigen benötigt man dafür im Prinzip kein eigenes Zimmer, wohl aber einen dieser Brettspieltisch mit Abdeckplatten.

Wie dem auch sei, meine Frau und ich genießen es, uns oben Druck durch unsere Sammlung spielen zu können. Vor allem, einzelne Spiele deutlich intensiver und häufiger zu spielen. Insbesondere Titel, die aufgrund ihrer Komplexität ansonsten eher nicht auf den Tisch gekommen wären. Wenn man zwischendurch leichter Kost will, bestehen noch genügend andere Ausweichmöglichkeiten — sowohl in Bezug auf Räume als auch Tische.

Seit über einer Woche liegt bei uns jetzt Root im Spielzimmer aus. Erst vor ein paar Tagen wurde das (zugegeben bereits ältere Spiel) mit dem Preis innoSPIEL für besonders innovative Spiele ausgezeichnet. Persönlich freut mich das in mehrfacher Hinsicht. Das Spiel ist nämlich verdammt gut und auch als Türöffner für eine ganze Reihe ähnlicher Spiele geeignet. Jedoch: So innovativ ist es daher eigentlich nicht, denn asymmetrische Spiele insbesondere im Bereich der Wargames gibt es schon länger. Hier sollte man in jedem Fall die COIN-Serie von GMT Games nicht unerwähnt lassen.

Mechanical Marquise bei Root

Zurück aber zu Root. Trotz niedlicher Grafik ist der Titel ein knallhartes Wargame. Mit einem guten Erklärer sogar eines, welches angesichts der Komplexität äußerst zugänglich ist. Tiere im Wald kämpfe um die Vorherrschaft. In der Basis-Version sind das insgesamt vier Fraktionen, die sich alle komplett anders spielen.

Gerade in Corona-Zeiten kommt natürlich die Frage auf, ob sich Root auch zu zweit spielen lässt, ohne das es nach einer Notlösung schmeckt. Klar, ideal ist Root in Vollbesetzung. Aber nach mittlerweile 10 Partien allein in diesem Jahr sind meine Frau und ich uns einig. Es spielt sich auch zu zweit gut, wenn man sich drauf einlässt. Natürlich funktioniert nicht jede Kombination, aber es gibt mit der Flussvolk-Erweiterung Abhilfe. Die enthält nicht nur zwei zusätzliche Fraktionen (und einen weiteren Vagabunden), sondern auch den Mechanical Marquise als Boot.

Mit Boot oder sogenannten Automata ist das immer so eine Sache bei Brettspielen. Manche sind einfach und handhabbar (etwa bei Architekten des Westfrankreichs), andere dagegen so komplex, dass man seine eigenen Spielzüge vernachlässigt. Der Mechanical Marquise gehört definitiv zur ersten Gruppe. Mit ihm macht Root zu zweit noch mehr Spaß. Zudem ermöglicht er die kooperative Variante, auf die ich auch schon gespannt bin. Und die neuen Erweiterungen habe ich hier noch nicht mal erwähnt.

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