Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Instantkaffee ist lediglich die schlechte Idee eines guten Kaffees. Vermutlich wird es der Spiel.digital ähnlich gehen.

Opfer von Corona

Die Corona-Krise fordert auf breiter Front ihre Opfer. Manchmal mag man es nicht mehr hören, wenn Menschenleben abgewogen werden gegen Einschränkungen und Freiheiten. Jeder toter durch Covid-19 ist einer zu viel. Auf der anderen Seite müssen wir natürlich im Auge behalten, welche Spur der Verwüstung Maßnahmen zum Schutz und zur Eindämmung nach sich ziehen können. Das richtige Augenmaß zu finden ist genau so wichtig wie auch schwierig.

Besonders hart in diesem Jahr traf der Lockdown und die nachfolgenden Auflagen die Veranstaltungsbranche. Privat merke ich das, beruflich aber auch sehr deutlich aufgrund einiger Kunden der Agentur. Seminare, Redner, Events — ein schwieriges Pflaster zur Zeit. Genau wie Messen. Reihenweise werden diese abgesagt oder soweit eingedampft, dass sie nur noch wenig Reiz ausstrahlen. Eines von vielen Beispielen. Am vergangenen Wochenende fand in Emden in der Nordseehalle die Hobbybörse unter entsprechenden Auflagen und mit einem umfassenden Hygienekonzept statt. Während es in den letzten Jahren rund 3.000 Besucher waren, fanden sich diesmal nur 750 Besucher ein. So sollen die Aussteller zeitweise unter sich gewesen sein. Kostendecken ist das insbesondere für die Aussteller wohl eher nicht. Kommen wir aber zur Spiel.digital.

Mangelnde Vorfreude zur Spiel.digital

Bekanntlich wurde die diesjährige Spiel in Essen abgesagt. Dabei handelt es sich um eine der größten, wenn nicht sogar um die größte Messe rund um das Hobby Brettspiele. Eine Absage trifft daher alle Beteiligten hart. Veranstalter genau wie Aussteller und Besucher. Mehr oder weniger ad hoc versuchte man daher, als Ersatz die Spiel.digital ins Leben zu rufen. Eine virtuelle Messe, bezahlt mit echtem Geld vor allem seitens der potenziellen Aussteller. Dazu ein Spendenaufruf an die Besucher, der in einigen Kreisen zu heftigen Diskussionen führte.

Persönlich will ich die Spiel.digital weder vom Konzept noch von der Technik (Gerüchten zu Folge kenne ich mich etwas mit Web-Themen aus) bewerten. Für mich dreht es sich bei der Spiel.digital in erster Linie darum, ob sie für mich als Interessenten und „Besucher“ funktionieren wird.

Wer mich bereits etwas länger kennt, wird auch die Antwort darauf erahnen. Nein, rein digital ist die Spiel nichts für mich, trotz meiner Affinität zum digitalen. Eine Spielmesse vor Ort ist ein Erlebnis mit allen Sinnen. Das zum einen. Zum anderen sehe ich in dem Versuch des Ersatzes die totale digitale Überforderung. Wer hat denn die Zeit und Muße, sich alles anzusehen? Mit Sicherheit wird auf allen möglichen Kanälen gefeuert. Allein YouTuber und Blogger werden so umfangreich und umfassend darüber berichten, dass man bei einem normalen (Arbeits-)leben Wochen, wenn nicht Monate braucht, um alles zu sichten.

Ausufernder Zeitmangel

Ganz ehrlich, für so was fehlt mir die Zeit aber auch die Lust. Für mich sind Brettspiele ein Hobby, kein Beruf. Mir reicht statt einer Spiel.digital eine Zusammenfassung. Möglichst kurz und knapp das gefiltert, was mich interessiert. In der Hinsicht ist die Liste mit den Neuheiten bei für mich wesentlich besser als das, was der Friedhelm Merz Verlag da versucht zu stemmen. Die eigene Liste mit Neuheiten wird erst am „Öffnungstag“ der Spiel freigeschaltet. Zur Zeit sieht man nur eine eher unübersichtliche Übersicht.

Bei BGG kann ich Prioritäten setzen, Kommentare hinterlegen und vor allem, meine persönliche Liste als CSV-Datei exportieren. Die Filter bei der Spiel.digital dagegen schränken zwar die Auswahl ein, aber personalisieren lässt sich das (bisher?) nicht. Alles andere soll noch kommen, mal sehen.

Ob das die neue Form der Spiel ein Erfolg werden wird, wird sich wohl erst am Ende zeigen. Ich für meinen Teil glaube eher nicht dran.

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