Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Mit jedem Stockwerk nahm die stickige Luft im Treppenflur zu. Der fünfte Stock befand sich ganz oben im Haus unter dem Dach. Badinger zog den Kopf ein, als er sein ihm zugewiesenes Zimmer betrat.

Nichtraucher stand noch auf dem Zettel mit der Reservierung. Im Zimmer roch es eindeutig nach kalter Asche. Die Dachschräge verlieh dem Raum etwas Gedrungnes. Badinger ließ sein Gepäck auf das abgenutzte Laminat fallen und riss das Fenster auf, um frische Luft in das Zimmer zu lassen. Baustellenlärm drang an sein Ohr. Immerhin lag das Zimmer nach hinten raus, sodass er vom Verkehr weniger mitbekommen würde.

Badinger ging in ein viel zu großes Badezimmer, dessen Weite im Kontrast zur Deckenhöhe stand. Kacheln aus den 80er-Jahren schimmerten in warmen Brauntönen. Billiger PVC-Belag aus diesem Jahrhundert wellte sich über den Boden. Immerhin gab es eine Dusche und einen Föhn, der so fest an der Wand angebracht war, dass man sich damit nicht die Haare trocknet konnte. Badinger vermied einen Blick in den stumpfen Spiegel. Sein Gesicht kannte er bereits seit Jahren und die Ränder unter den Augen wollte er sich nicht zumuten, mit den Händen ging er durch das, was er selbst eine Frisur nannte und damit zu den wenigsten gehörte, die es als solches erkannt hätten.

Von der Tür zog er sein Gepäck Richtung Bett. Mühelos konnte er mit einer Hand die Matratze zum Lattenrost drücken. Bettwäsche und Laken zeigten keine Spuren vom letzten Gast. Kurz überlegend entscheid sich Badinger, alles erst mal so zu lassen, wie es war und frühstücken zu gehen.

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