Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Der US-Präsident Donald Trump infizierte sich laut Berichten mit Covid-19. Niemand verdient wirklich eine solche Infektion.

Denken und sagen

Es gibt eine ganze Reihe Dinge, die man durchaus sagen darf. In einem Land mit echter Meinungsfreiheit sogar ohne Gefahr für Leib und Leben. Jedoch auch ohne Zensur gibt es Sachen, die man besser für sich behält. Und auch solche, die man einfach auch nicht denken sollte. Die meisten von uns haben zu US-Präsident Trump eine Meinung. Persönlich halte ich ihn für die schlimmste Fehlbesetzung im Amt. Damit wird er in jeden Fall in die Geschichtsbücher der USA eingehen.

Er lügt, betrügt, nutzt Steuerlücken aus und ist auch sonst nie verlegen, wenn es darum geht, auch nur den kleinsten Vorteil für sich und seine Familie rauszuschlagen. Kurzum, ein durch und durch unsympathischer Zeitgenosse. Dennoch, eine Auseinandersetzung mit ihm sollte nach Möglichkeit auf sachlicher Ebene erfolgen, selbst wenn er sich damit schwertut.

Wir hier in Europa stehen diesbezüglich ehedem nur am Spielfeldrand und können die Entwicklung in den USA allenfalls kommentieren. Die demokratische Schieflage einer der größten Wirtschaftsmächte der Welt kann keiner von uns korrigieren. Das müssen die Wählerinnen und Wähler in den USA im November selber in die Hand nehmen. Wer jedoch jemand wie Trump mehrheitlich wählt, der hat ihn auch verdient.

Niemand verdient eine Erkrankung

Nicht verdient hat Donald Trump jedoch seine Erkrankung an Covid-19. Ja, er hat vorsätzlich fahrlässig gehandelt. Er hat sein Land und nunmehr auch sich in Gefahr gebracht. Die Erkrankungen in seinem Umfeld hat Trump zu verantworten. Wobei hier noch nicht klar ist, wie die Infektionskette verlaufen ist und wann sich Trump selber infiziert hat. Ganz klar, aufgrund seines Verhaltens darf Trump durchaus als Arschloch bezeichnet werden. Das er an Corona erkrankte, muss er sich wohl selber zuschreiben. Verdient hat er es aber nicht.

„Auge um Auge, Zahn um Zahn“ — die Talionsformel stammt aus einer archaischen Zeit, die wir weitestgehend überwunden habe. Zu behaupten, jemand verdient ein bestimmtes Schicksal, gehört ebenso dazu. In dieser Weise über einen anderen Menschen zu urteilen, steht uns nicht zu.

Auch wenn jemand jahrzehntelang Zigaretten raucht, verdient er damit nicht automatisch seine Krebserkrankung. Auch wenn wir es vielleicht vergessen haben, sogar Donald Trump ist ein Mensch und verdient es, von uns menschlich behandelt zu werden. Dazu gehört dann selbstverständlich, ihm im Falle der aktuellen Erkrankung gute Besserung zu wünschen. Ja, ich weiß, das fällt schwer. Wer aber einen Moment lang darüber nachdenkt, wird die Hässlichkeit der anderen Option erkennen. Wollen wir wirklich jemanden etwas Schlechtes wünschen, weil wir mit seinen Handlungen nicht einverstanden sind? Ich denke nicht.

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