Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Der US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden überstand gestern sein erstes TV-Duell gegen einen Versager im Amt.

Legitimer Versager

Objektiv betrachtet, handelt es sich bei Donald Trump um einen Versager im Amt. Es sei denn, das Ziel seiner bisherigen Präsidentschaft bestand nicht im Wohlergehen der USA, sondern darin, möglichst viel Schaden anzurichten. Auf internationalem Parkett ist das Trump gut gelungen, wobei die meisten Leidtragenden seine eigenen Landsleute sind. Während seiner „Regentschaft“ ist die Schere zwischen Arm und Reich, zwischen „Weißen“ und Angehörigen anderen Ethnien weiter auseinandergegangen. Das einzige Handicap, für welches sich Trump interessiert, ist seins beim Golf spielen.

Seine Fanbasis schert so was alles nicht. Ganz offensichtlich spricht Trump ihre Sprache. Selbst in unteren Einkommensschichten glaubt man noch an die sehr durchschaubaren Lügen von Trump. Aufwachen wird man wohl erst, wenn der Wagen endgültig vor die Wand gefahren wurde. Entsprechend wird auch das erste TV-Duell zwischen Donald Trump und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden sehr unterschiedlich bewertet — je nach dem, welches Weltbild man für richtig hält.

Die Süddeutsche Zeitung hat aus dem TV-Duell vier wesentliche Erkenntnisse zusammengefasst. Demnach handelte es sich nicht um eine Debatte, sondern eine Schlammschlacht. Es ging nicht um Argumente, sondern drum, den Gegner möglichst hart weit unten zu treffen. Wobei Trump gerade in dieser Hinsicht besonders hemmungslos ist.

Kein Sieger im TV-Duell

Trump ließ im TV-Duell weder seinen Gegner noch den Moderator ausreden. Mit brachialer Gewalt ging er immer wieder dazwischen, um Biden möglichst schlecht aussehen zu lassen. Dabei schreckte er nicht zurück, auch Persönliches heraus zu kramen:

Verwenden Sie mir gegenüber nie den Begriff smart. Sie haben jeweils entweder als schlechtester oder fast schlechtester Ihrer Klasse abgeschlossen. Nichts an Ihnen ist smart.
Trump zu Biden — Quelle: SZ

Eindeutig nicht gelang es Trump, sich von militanten Rechten und Rechtsextremen abzugrenzen. Er sieht die Probleme und Gewaltbereitschaft eindeutig auf der linken Seite. Auch hat er nach wie vor kein Problem damit, die Wahl anzuerkennen, wenn sie zu seinen Gunsten ausfällt. Das lässt einen Aufruf zu Unruhen unter seinen Anhängern bei einer Niederlage befürchten.

Das Trump in Bezug auf Corona eine breite Angriffsfläche bieten würde, konnte man sich denken. Biden stieß auch über diese Flanke zu. Allerdings konterte Trump damit, dass Biden wohl einen noch schlechteren Job gemacht hätte.

Eine Umfrage von CNN (linke Kampfpresse aus Sicht von FOX-verwöhnten Trump-Anhängern) sieht nach dem TV-Duell Biden leicht vorn. Auch wird der Herausforderer als der ehrlichere von beiden bewertet. Die Debatte selber wird als von einem negativen Tonfall dominiert bewertet.

Für uns Europäer ist der Erkenntnisgewinn recht gering. Wir stehen nur am Rand und können dem sich zusammenbrauenden Unheil zuschauen. Entweder weitere vier Jahre Trump oder etwas, was vermutlich einem Bürgerkrieg gleichkommen wird.

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