Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Heute Morgen verstarb im Alter von 80 Jahren Wolfgang Clement. Bekannt wurde er vor allem als Ex-SPD- Politiker und Atom-Lobbyist.

Kein SPD-Politiker mehr

Zu einer Schlagzeile von heute aus dem Onlineauftritt der Süddeutschen Zeitung fällt mir mehr als sonst ein. Der ehemalige Spitzenpolitiker Wolfgang Clement ist gestorben. Friedlich in seinem Bett im eigenen Haus in Bonn, wie es heißt. Clement liegt an Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium. So ganz friedlich wird der Tod also nicht gewesen sein.

Interessant ist ein Tweet von Christian Lindner:

FDP trauert um Wolfgang Clement

Quelle: Twitter

Die FDP trauert also um Wolfgang Clement. Das zeigt, wo sich der ehemalige Spitzenpolitiker zum Schluss eher verortet gefühlt hat. Jedenfalls nicht in der SPD, die lange Jahre seine Heimat gewesen ist. Mit Clement, der SPD und mir — das ist eine längere Geschichte. Versuchen wir mal die Kurzform.

Es war einmal ein Bundesland namens Nordrhein-Westfalen. Die Herzkammer der Sozialdemokratie, ein sicherer Hafen der SPD. Es hieß nicht nur so NRW. SPD. Sondern die Partei betrachtet das Bundesland fast als ihr Eigentum. Dort mit einer fetten Mehrheit die Landesregierung zu stellen galt quasi als Geburtsrecht. Es begab sich zu jener Zeit, dass Bruder Johannes Rau dieses Land mit seiner Güte regierte. As Kronprinz und Nachfolger auserkoren hatte er Wolfgang Clement. Der jüngere Politiker wirkte damals bereits älter.

Im Bild mit Wolfgang Clement

Von Rau ist ein legendärer Satz überliefert. Sowohl er als auch Clement befand sich auf einer Veranstaltung, die schon länger in den Abend hinein ging. Während rau noch mit Genossen gemütlich zusammen saß, brach Clement auf. Rau kommentier diese mit den Worten: „Der ist ja schon etwas älter, da muss man mal früher ins Bett.“

Wie dem auch sei, als Nachfolger von Rau stand Wolfgang Clement im Schatten des großen Vorgängers. Persönlich erlebt habe ich als Ministerpräsident, als er meine damaligen Arbeitgeber besuchte. NRW. SPD. Bergbau (und Anhänge). Dabei entstand auch das gemeinsame Foto.

akamedia mit Besuch

Clement zu Besuch bei akamedia

Nun denn, sympathisch wurde er mir deshalb nicht. Obwohl wir zu dem Zeitpunkt beide Genossen waren, blieben wir uns fremd. Der SPD wurde er nach seiner Zeit als Wirtschaftsminister im Kabinett von Gerhard Schröder auch zunehmen fremder. Als er dann mehr oder weniger direkt zum Wahlboykott von Andrea Ypsilanti (SPD) aufrief, platze vielen Genossen der Kragen. Clement wollte an seinem Kuschelkurs mit der deutschen Atomindustrie wohl auch deshalb festhalten, weil er ihm Aufsichtsrat der RWE-Kraftwerkstochter RWE Power AG saß. Ypsilanti dagegen vertrat eine ablehnende Haltung gegenüber Energiegewinnung aus Atom und Kohle.

Nach einer offiziellen Rüge durch seine Partei (statt eines Rauswurfs) warf Clement dann selber das Handtuch. Die Mehrheit der Genossen zeigte sich damals erleichtert, einige wenige bedauerten seinen Entschluss.

Eine prägende Figur für NRW, wie es jetzt heißt, war Clement nicht. Er hinterlässt vermutlich nur wenig, an das man sich künftig erinnern wird.

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