Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Ein Wochenblatt im eigenen Briefkasten ist vielfach Kaufgrund für „Keine Werbung“-Schilder. Damit verpasst man jedoch einiges.

Mantelteil für Werbung

Irgendwo in den Tiefen meiner Erinnerung ist vermutlich abgelegt, wann ich das erste Wochenblatt in die Finger bekam. Dafür weiß ich noch ziemlich genau, um welches es sich handelte. Es war entsprechend meiner Geburtsstadt natürlich „Der Weseler“. Weiße Schrift auf rotem Grund, passend zu den Farben der Stadt. Recht schnell begriff ich, um was es sich bei dem Wochenblatt handelte. Mehr oder weniger ein Mantelteil für Werbung. Mit anderen Worten, der redaktionelle Teil wirkte lediglich wie die Umverpackung.

Ob sich das mittlerweile beim Weseler geändert hat, kann ich mangels Vergleichsexemplar nicht beurteilen. Damals jedenfalls ereilte den Weseler bei uns aus dem Briefkasten das Schicksal vieler Wochenblätter in Haushalten in ganz Deutschland. Er wanderte überwiegend ungelesen ins Altpapier.

Gut, manchmal haben auch die Kaninchen drauf gekackt, aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

Jedenfalls, die Wochenblätter begleiteten mich bei diversen Umzügen, nur hießen sie natürlich anders. Etwa „OWL am Sonntag“ oder „Kölner Wochenspiegel“. Trotz unterschiedlicher Städte ähnelte sich Aufmachung und Funktion. Ja, und sie hatten auch etwas ähnlich lästiges an sich. In Köln musste ich mehrfach insistieren, damit mein Briefkasten trotz eines eindeutigen Schildes sauber blieb.

Wochenblatt für Sonntags

Nun als die Seehafenstadt Emden, die selbstverständlich ihr eigenes Wochenblatt namens „Sonntagsblatt“ hat. Die „erste“ Ausgabe hinterließen uns die Vormieter (wie auch eine ganze Tonne voll Altpapier und Restmüll). Bei mir setzte schon der antrainierte Reflex ein, bevor ich dann doch einen Blick in die Zeitung warf. Erstaunlicherweise gefiel mir sie. Vor allem aufgrund der Werbung. Hey, wenn man neu in einer Region ist, einige Anschaffungen anstehen, dann ist auch eine Info wie „Sonntag Schautag im Küchenstudio“ Gold wert.

Es kann bei mir zum Teil eine Alterserscheinung sein (heute habe ich einen Termin beim Optiker, der Verlust der Sehstärke lässt sich nicht mehr leugnen). Plötzlich interessiere ich mich für Angebote im Supermarkt. Die sind jetzt nicht nur so gut erreichbar, sondern wir verfügen über einen ausreichend großen Kühlschrank, um mal TK-Pizza aus dem Angebot einzulagern.

Auf mein Bonsai-Bäumchen wurde ich auf durch eine Werbung im ALDI-Prospekt für diese Woche aufmerksam. Was soll ich sagen, am Montag stand ich um acht Uhr zur Ladenöffnung in der Schlange, um es zu ergattern.

Im Übrigen, so im Nachhinein betrachtet ist der Name „Der Weseler“ aus der ganzen reihe wohl der deutlich schönste.

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