Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Die Begrüßung des Taxifahrers hielt sich ostfriesisch knapp. Moin. Einfach, schlicht und zu jeder Tageszeit passend. Mit Moin lag man genauso wenig falsch wie mit einem gediegenen Anzug.

Rund um die Uhr für jede Gelegenheit gewappnet.

„Wo solls denn hingehen?“

Breuer nannte dem Taxifahrer die Adresse. Während man beim Friseur üblicherweise selber seine Lebensgeschichte erzählte, verhielt es hier im Taxi andersherum. Der Fahrer wirkte nicht nur von den Jahren verbraucht und aufgezehrt. Der Beginn seiner Rente lag schon ein paar Jahre zurück. Dank Scheidung nach 29 Jahren reichte es jedoch nicht zum Leben.

Eike ließ sich dennoch nicht aus dem Gleichgewicht bringen.

„Ist wie auf hoher See. Bei schwerem Seegang musste dich ordentlich festhalten, oder du gehst über Bord und ersäufst schneller, als du bis drei zählen kannst.„

Obwohl er noch Verwandtschaft von Eike in Oldenburg lebte, wollte er weiterhin in Emden bleiben.

„Hier ist es viel ruhiger. Außerdem wusstest du, hier kann man im Herbst in den Wäldern Pilze sammeln.“

Fast genau so schneller wie ein Kölner rutsche der Fahrer in ein kumpelhaftes Du. Breuer ließ sich das gefallen. Ein ehemaliges Kasernengelände lag voraus, der Taxifahrer bog ab und fuhr an dem alten Tor vorbei auf das Gelände. Einige der Gebäude sahen Frist instandgesetzt aus. Sie verstrahlte Modernität gleichermaßen wie einen robust Charme. Bei einem der ersten Gebäude auf der linken Seite handelte es sich um das Boarding-House, in dem Breuer einchecken wollte.

Mit fünf Euro Trinkgeld gab sich Eike zufrieden.

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