Qualität hat einen Preis

Gut und günstig ist in den meisten eine Verbraucher-Fiktion. Ordentliche Qualität hat immer ihren Preis.

Trotz anderslautender Behauptungen stammt von Albert Einstein nicht der Begriff der relativen Qualität. Daher lässt über Auffassungen zur Definition trefflich streiten.

Reise zu den Wurzeln

Die Überschrift „Reise zu den Wurzeln“ ist fast wörtlich zu nehmen. Eine meiner ersten tieferen Auseinandersetzungen mit dem, was Qualität ausmacht, hat tatsächlich ein Stück weit mit einer Reise zu tun. Nämlich mit einer Reise per Motorrad des Icherzählers im Roman „Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten“ von Robert M. Pirsig. Hier im Blog schrieb ich zudem auch immer wieder über Qualität beziehungsweise dann, wenn ich sie an bestimmten Stellen vermisste. Mit ihr ist es wie mit vielen Dingen im Leben nicht immer einfach.

Selbstverständlich gilt zwar, dass Qualität ihren Preis hat. Der Umkehrschluss ist allerdings nicht möglich. Teuer ist nicht zwangsläufig auch besser. Zutreffend ist dagegen die folgende Weisheit:

Wer billig kauft, kauft zweimal.

Kleiner Haken an der Sache: Wer nach dem ersten Mal nichts dazu lernt, Kauf mehr als nur zweimal. Sparsamkeit hat auf diese Weise halt auch ihren Preis. Bereits in der Oberstufe (als ich den Roman von Pirsig zum ersten Mal las) hatte ich den Zusammenhang von Wertigkeit und Preis auf dem Radar. So gut es mit meinen finanziellen Mitteln möglich war, kaufte ich Dinge, von denen ich mir eine längere Haltbarkeit versprach.

Grenze zur Qualität

Zelte mit Qualität

Meine Mitte der 1990er Jahr gekauft Barbour-Jacke etwa ist immer noch im tadellosen Zustand. Bei der breiten Masse hält sich jedoch hartnäckig die Geiz ist geil Mentalität. Qualität fällt dabei erst mal komplett unterm Tisch. Selbst wenn sie zu einem günstigen Preis versprochen wird, sollte man den Gegenstand, zwischen den eigene Schulter benutzen.

Besonders ärgerlich finde ich es, wenn Journalisten der Mentalität weiter Vorschub leisten. Das kann man ganz bewusst passieren oder aber durch die Hintertür wie in einem Beitrag von Markt vom vergangenen Montag. Es ging um Zelte unter der Headline „Campingzelte: Günstig ist nicht immer gut“. Ganz klar, man müsste hier selbstverständlich definieren, was man unter „Camping“ versteht. Dennoch bin ich der Meinung, dass man sich lächerlich macht, wenn man ein Zelt von Lidl für 37,99 Euro ernsthaft in Erwägung zieht. Aus meiner Sicht handelt es sich im solchen Preissegment eher um Spielzeugartikel denn um etwas, was ernsthaft für einen Aufenthalt in der Natur geeignet ist.

Klar kann ich das einfach so behaupten. Nun, ich für meinen Teil habe mal in einem Ausrüstungsladen in Düsseldorf eine Fortbildung zu dem Thema gemacht und mich auch darüber hinaus intensiv mit Zelten beschäftigt. Für meine vierwöchige Schottlandreise mit dem Fahrrad kaufte ich 1992 dann ein Zelt für rund 500 DM. Das empfand ich noch als günstig. Im Übrigen handelte es sich nicht um ein extrem teures Markenzelt.

Verlässlichkeit hat ihren Preis

Das Tunnelzelt hat uns zu zweit in den vier Wochen an keinem Tag im Stich gelassen. Das Gewicht war fantastisch und die Aufbauzeit betrug unter 10 Minuten. Wichtig, wenn man den ganzen Tag über mit dem Rad unterwegs ist. Auch bei extrem unbeständigem Wetter blieben wir trocken. Das Zelt verzeih es uns sogar, mit nass Außenhülle am nächsten Tag eingepackt zu werden.

Wenn ich mir die Dinge aus dem „Test“ bei Markt anschaue — mit denen würde ich nicht mal eine Nacht zu Hause hinterm Haus verbiegen wollen.

Wenn man mal Discounter, Supermärkte und ähnlich dubiose Quellen für den Erwerb eines Zeltes außer acht lässt, wird man auch schnell erkennen, wohin die Reise preislich geht. Bei Ausrüster Globetrotter bekommt man für unter 100 Euro allenfalls eine Strandmuschel oder ein Einsteigerzelt der Eigenmarke. Das liegt preislich aber auch schon bei 99,95 Euro und hat mit 4400 Gramm ein ordentliches Gewicht. Zum Vergleich: Das Big Agnes „FLY CREEK HV UL2“ für ebenfalls zwei Personen kostet 449,95 Euro, wiegt dafür aber auch nur 1,1 Kilo.

Jeder entscheidet selber, was er sich antut. Ober er lieber auf Qualität baut oder einfach irgendwas Günstiges kauft, was am Ende der Saison dann im Sondermüll landet.

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