Gluten und verträglich

Wenn Profitmaximierung Handwerkskunst ablöst, klopft die Unverträglichkeit bald an die Tür. Gutes Brot wird leider seltener.

Eine Ernährung frei von Gluten ist vor allem ein gutes Geschäft. Die Anzahl der tatsächlich an Zöliakie dagegen marginal.

Kein hartes Brot

In Wesel am Kornmarkt gab es damals zu meiner Zeit (hört sich blöd an, aber tatsächlich weiß ich nicht, ob es die Bäckerei noch gibt) ein Schild hinter den Tresen. Darauf ein bemerkenswert guter Spruch:

Altes Brot ist nicht hart. Kein Brot, das ist hart.

Ein Spruch nach meinem Geschmack. Ganz klar, ich liebe Brot. Handwerklich gutes Brot, muss ich dazu ergänzen. Als ich nach dem Abitur vier Wochen in Schottland mit dem Fahrrad unterwegs war, gehörte Brot daher auch zu dem, was mir definitiv fehlte. Der glücklichste Moment auf der Reise war dann der, als wir eine sogenannte Home-Bakery fanden. Brot, was sich nicht auf ein Viertel seines Volumens zusammendrücken lässt. Was für ein Genuss.

Im Übrigen hatte ich zu der Zeit auch noch nichts von Gluten und einer Unverträglichkeit gehört. Tatsächlich ist es ja auch so, dass maximal ein Prozent der Deutschen unter Zöliakie leidet. Schaut man sich die zunehmende Anzahl der Produkte ohne Gluten im Supermarkt an, erweckt es einen völlig anderen Eindruck. Auch es gibt halt genügen Menschen mit einer eingebildeten Gluten-Unerträglichkeit.

 

Kann Spuren von Erdnüssen enthalten

Kann Spuren von Erdnüssen enthalten

Brot ohne Gluten

Auf das Thema Gluten bin ich gestern Abend gestoßen worden, als meine Frau und ich uns die neuste Folge von „Markt“ ansahen. Ziemlich maue Beiträge diesmal. Der Tiefpunkt jedoch bestand in einem „Restaurant-Test“. Ein Koch und eine Frau mit Zöliakie suchten drei Restaurants auf, um zu erkunden, wie es dort um Gluten freie Speisen aussieht. Man monierte sich dann über Personal ohne Fachkenntnisse.

Ehrlich, ich sehe das nicht wirklich kritisch. Natürlich möchte ich Zöliakie nicht verharmlosen. Insbesondere dann, wenn sie diagnostiziert wurde. Lächerlich finde ich aber alle die Menschen, die meinen, eine Unverträglichkeit zu haben — tatsächlich aber nur einem Trend erliegen.

Wobei, Trend ist leicht falsch. Auch ich hatte Momente, wo ich Brot nicht mehr vertrug. Die Ursache dafür lag aber nicht bei Gluten, sondern in dem, was mittlerweile alles als Brot verkauft wird. Hinter vielen Angeboten steckt keine Handwerkskunst mehr, sondern Backmischungen. Die beziehen auch angebliche Bäcker vom Großhandel. Was darin an Zusatzstoffen und Enzymen drin steckt, sorgt für maximalen Profit aber eben auch für Allergien und Unverträglichkeiten. Seit dem ich konsequent Bio-Brote und solche esse, die definitiv noch traditionell hergestellt werden, habe ich keine Beschwerden mehr. Klar kostet gutes Brot etwas mehr. Ist aber immer noch günstiger als die Produkte, die als Gluten-frei verkauft werden.

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