Pilatus bei der Bahn

Die Einhaltung der aktuell geltenden Hygienevorschriften geht uns alle an. Ausreden gefährden Gesundheit und Menschenleben.

Die Deutsche Bahn hat überraschenderweise eine ganze Menge mit dem römischen Statthalter Pontius Pilatus gemeinsam. Insbesondere in Bezug auf Verantwortung.

Zug fahren ohne Maske

Was die Einhaltung der Hygienemaßnahmen in der Bahn abgeht, konnte ich vor ein paar Wochen selber meine Erfahrungen sammeln. Um es auf den Punkt zu bringen: Fast vier Stunden mit der Bahn von Köln nach Emden waren die Hölle. Das Tragen einer FFP2-Maske ist kein Zuckerschlecken, aber notwendig. Wirklich unangenehm ist jedoch nicht die Maske, sondern die Mitreisenden ohne. So was wie Einsicht ist kaum vorhanden und es fehlt an Zugpersonal, was die Einhaltung der Maskenpflicht einfordern. Ganz offensichtlich ist dies sogar Absicht — aber ich greife vor.

Die Redewendung „Von Pontius zu Pilatus“ bezieht sich viele erfolglose Wege, die man gehen kann. Bei der Bahn wären es die unzähligen Versuche, ihr ramponiertes Image aufzupolieren. Immer dann, wenn sie kurz davor zu sein schein, endlich die Kurve bekommen zu haben, gibt es wieder einen herben Rückschlag. Im Bereich der Verkehrspolitik wirkt sie wie das uneheliche Kind, was keiner haben will. Dabei könnet die Bahn ein Vorzeigeunternehmen sein. Ein Betrieb in Staatshand, mit dem gezielt Einfluss genommen werden kann. Zum Wohl von Mensch und Umwelt. Ja, man wird doch wohl noch mal träumen dürfen. So wie Pilatus damals von seiner Unschuld.

Mit Abstand draußen ohne Maske

Mit Abstand draußen ohne Maske

Im Zug mit Pilatus

Seine Hände in Unschuld waschen, das ist es wohl, was die meisten von uns (in evangelischer / katholischer Geschmacksrichtung) mit Pontius Pilatus verbinden. Als Bahnfahrer wäre man mitunter froh, wenn man im Zug seine Hände mit überhaupt irgendwas waschen könnte. Insbesondere während der Corona-Krise.

Aber wie sagte bereits Karl Lagerfeld: „Wer Bahn fährt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“. Oder so ähnlich. Selbstverständlich gibt sich der Konzern Mühe. Oder wie man so schön bei Arbeitszeugnissen schreibt: „Er war stets bemüht“.

Wobei das mit sich bemühen bei der Bahn ehrlich gesagt nicht richtig ist. Was Covid-19 und die Verbreitung beziehungsweise die Kontrolle der Einhaltung von so etwas wie Maskenpflicht angeht, will die Bahn ihr Hände in Unschuld waschen. Mit anderen Worten, sie will, ähnlich wie damals Pilatus mit der Sache nichts zu tun haben.

Im Artikel der „Welt“ heißt es daher bereits in der Überschrift eindeutig: „Für die Maskenpflicht im Fernverkehr will niemand zuständig sein“. Weder Bahn noch Bundespolizei sehen sich in der Verantwortung, die Einhaltung zu kontrollieren.

Ehrlich, Regeln, für deren Einhaltung und Durchsetzung niemand zuständig sein will, sind nutzlos. Meiner Meinung nach hat die Bahn in den Zügen Hausrecht und ist auch verpflichtet, das Tragen der Masken zu kontrollieren. Ansonsten kann sie auch die Überprüfung von Tickets gleich sein lassen. Schwarzfahren schädigt zumindest nicht unmittelbar die Gesundheit der Mitreisenden.

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