Wurst als Lebensrisiko

Jeder von uns kann Einfluss auf die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie nehmen. Die Entscheidung fällt täglich im Supermarkt.

In Rheda-Wiedenbrück geht es beim Fleischverarbeiter Tönnies um die Wurst. Weniger relevant waren dort bisher die Arbeitsbedingungen der Werkssklaven.

Haltung von Werkssklaven

Im Schlaraffenland fliegen einem die gebratenen Hähnchen nur so in den Mund. So weit entfernt ist der deutsche Verbraucher im Prinzip nicht von dem Zustand. Natürlich muss er die Hähnchen kaufen und mitunter noch selber braten. Aber ansonsten sind sie paradiesisch günstig zu bekommen. Dasselbe gilt auch für alle andere Fleischprodukte. Wurst, Schnitzel, Steaks, Rippchen — Massenware zu Discountpreisen.

Dabei sollte man sich eigentlich immer fragen, wo der Haken ist, wenn Dinge kostenlos oder verdammt günstig zu bekommen sind. Billiges Fleisch ist in der Tat billig. Man erhält kein besonders hochwertiges Produkt. Spätestens in der Pfanne zeigt sich das.

Auf der anderen Seite ist das Fleisch auch deshalb so billig, weil an anderer Stelle der Preis dafür gezahlt wird. Das Wohl der Tiere spielt keine Rolle. Und wenn, dann lediglich zu Marketingzwecken. Genauso wenig juckte den Verbraucher bisher das Wohl derjenigen, welche die Tiere zerlegen. Die sogenannten Werkverträge sind nichts anders als Sklaverei mit anderen Mitteln. Seit meinem letzten Artikel im Mai hat sich daran noch immer nichts geändert. Wenn jetzt in Rheda-Wiedenbrück die Hütte brennt, weil es in der Belegschaft massenweise zur Infektion mit Covid-19 gekommen ist, wundert mich das nicht.

Angst vor der Wurst

Angst vor der Wurst

Verzichtet auf Wurst

Während sich der NRW-Ministerpräsident selber zur Wurst macht und die Schuld zunächst bei den ausländischen Arbeitern suchte, schwebt nach wie vor über der Region ein kompletter Lockdown. Sofern das erhebliche Pandemie-Risiko nicht mit der verhängten Quarantäne in den griff zu bekommen ist, droht Gütersloh und Rheda-Wiedenbrück der Wurst-Case.

Angesichts der Fallzahlen droht NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann mit einem schärfen Kurs gegen die Fleischindustrie. Darauf sollte man allerdings nicht viel geben. Die Landesregierung in NRW wird auch weiterhin wirtschaftliche Interesse in den Vordergrund stellen. Abgesehen davon ist die gesamte Situation in den fleischverarbeitenden Betrieben nicht neu und hätte schon erheblich früher ein Einschreiten erfordert.

Als Verbraucher müssen wir dem Ganzen nicht tatenlos zusehen, denn wenn es um die Wurst geht, entscheiden wir selber an der Fleischtheke mit. Wir haben es in der Hand, was uns Tierwohl und faire Arbeitsbedingungen wert sind. Experten gehen von einer erforderlichen Preissteigerung von 135 Prozent bei konventioneller Ware aus. Das beinhaltet dann aber auch die Kosten, welche derzeit auf die Allgemeinheit abgewälzt werden. Massentierhaltung sorgt nämlich für ein erhebliches Gülle-Problem.

Schwarze Liste

Was das Unternehmen Tönnies angeht, wird es höchste Zeit, die Rote Karte zu zeigen. Da Fleischprodukte der Kennzeichnungspflicht unterliegen, kann man die Produkte des Herstellers recht einfach identifizieren. Wenn der Verpackung einer der folgenden Codes zu finden ist,

  • DE NW 20202 EG
  • DE NW 20028 EG
  • DE NW 20045 EG

stammt der Inhalt von Tönnies. Darüber hinaus gehören unter anderem die Handelsmarken „Landjunker“ und „Meine Metzgerei“ zum Unternehmen aus Rheda-Wiedenbrück. Im Bereich der Convenience-Lebensmittel Steckt Tönnies hinter der Marke Tillman’s.

Da seit 2017 die „Zur Mühlen Gruppe“ auch zum Konzern gehört, findet man das Fleisch von Tönnies in folgenden SB-Produkten:

  • Astro
  • Böklunder
  • Dölling
  • Gutfried (Nölke)
  • Hareico
  • Heine’s
  • Jensen’s
  • Könecke
  • Lutz
  • Marten
  • Naumburger
  • Plumrose
  • Redlefsen
  • Schulte
  • Weimarer
  • Wilx
  • Vevia
  • Zerbster Original
  • Zimbo

Die meisten Viren und Bakterien dürften die Zubereitung ehedem nicht überleben, aber bei der Zubereitung Handschuhe zu tragen, ist wohl nicht verkehrt. Oder man verzichtet auf die Produkte von Tönnies — der Gesundheit und dem Gewissen zuliebe.

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