Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Tour de Force

Die schönsten Ecken in einer künftigen neuen Heimat erkunden man am besten zu Fuß bei der Wohnungssuche.

Manches im Leben gelingt definitiv nur auf die harte Tour. Masochisten fahren in Corona-Zeiten Bahn und genießen entspannt.

Nase bleibt frei

Meine Frau und ich wussten schon Tage im Voraus, dass die Wohnungsbesichtigungen in Emden für uns ein harter Ritt auf dem brennenden Deichpferd werden würde — oder so ähnlich. Wie schon erwähnt, ist in diesem Sommer alles auf kante genäht. Schulwechsel, Umzug und Wohnungssuche. Alles eine verdammt knappe Kiste. Dazu kommen noch die Corona-bedingten Unannehmlichkeiten. Dabei steht Bahnfahren ganz oben auf der Liste.
Wir wussten schon im Vorfeld, warum wir uns FFP2-Masken bestellt haben. Das Verhalten anderer Fahrgäste grenzt nämlich zum Teil nah an Körperverletzung. Masken nur halb, sodass mindestens die Nase frei bleibt. Ständiges Abnehmen der Maske, damit man mal etwas essen kann — schließlich ist die Fahrt von Köln nach Emden eine Weltreise, bei der schon so mancher unterwegs verhungert ist.

Was die Unterkunft für die eine, erforderliche Übernachtung angeht, haben wir diesmal den Hauptgewinn gezogen. Das Boarding-House Quartier 96 kann ich jedem Reisenden mit Aufenthalt in Emden wärmstens empfehlen. Wir hatten eine riesige Loft-Wohnung in einem umgebauten Kasernen-Gebäude für 99 Euro pro Nacht.

In der gleichen Preisklasse bewegte sich im vergangenen November auch ein Objekt in der Nähe zum Kleinbahnhof, was sich aber eher im Bereich der Zumutung bewegte. Zumindest meiner Meinung nach.

Friesenhügel — aus Gründen

Friesenhügel — aus Gründen

Friesenhügel Tour

Apropos Zumutung. Auch wenn das alte Kasernengelände durchaus eine Menge Charme versprüht waren wir über die eine Wohnung, die wir uns dort angesehen haben, etwas erschrocken. Preislich auf Kölner Niveau und mit 91 m² so übel geschnitten, dass wir die Hälfte unserer Sachen aus der derzeitigen Wohnung hätten Einlagen müssen. Dabei ist die Wohnung hier in der autofreien Siedlung sogar 8 m² kleiner.

Eine ziemlich harte Tour wäre dann zwar nicht der Umzug zum Wunschtermin gewesen, dafür dann aber das Wohnen in dem Objekt. Südfenster und Balkon mit Blick auf Brache und Baugebiet. Ohne Rollos oder Sonnenschutz. Statt Einbauküche eher eine Küchenzeile, die im Boarding-House besser war. Wenn man immer mehr Abstriche machen muss, sollte man sich die Frage stellen, ob das Objekt wirklich geeignet ist. Gesucht hatten wir nämlich eine Wohnung mit zwei Arbeitszimmern und nicht mit einem erstickend kleinen Schlafzimmer und einem geteilten Arbeitszimmer. Und wenn dann noch der Kleiderschrank aus dem Schlafzimmer in den Flur muss, weil woanders kein Platz ist, finde ich das nicht prickelnd.

Wie dem auch sei, die zweite Besichtigung dagegen: Ein voller Erfolg, aber dazu dann mehr, sobald wir den Mietvertrag unterschrieben haben. Von Emden haben wir mittlerweile einiges gesehen, um zu wissen, wo wir uns mit hoher Wahrscheinlichkeit wohlfühlen werden.

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