Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Wir schaffen das — der Film

Der Film "Die Getriebenen" ist ein eine hervorragend gelungene Umsetzung aktueller Zeitgeschichte. Getrieben und gestalten stehen sich darin gegenüber.

Auf dem Höhepunkt der so genanten Flüchtlingskrise setzte der Ausbruch von Angela Merkel ein Zeichen. „Wir schaffen das“ ist mehr als nur ein Statement.

Wendepunkt in der Wertschätzung

Mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte ich lange Jahre meine Schwierigkeiten. Zunächst einmal lag das natürlich an der falschen Parteizugehörigkeit — von ihr. Hinzukommt ein Politikstil, der eigenartig distanzierte daher kommt. Eines der Merkmale, welches die Bundeskanzlerin von ihren Vorgängern im Amt unterscheidet. Ihr Kurs und ihre Entscheidungen sind auch weitestgehend nicht meine Richtung gewesen. Hier im Blog kann man zum Thema Merkel einiges lesen. Im Nachhinein empfinde ich es zum Teil als zu scharf formuliert.

Für mich persönlich wurde der Moment der Grenzöffnung für Flüchtlinge und die Aussage von Angela Merkel „Wir haben so viel geschafft— wir schaffen das“ zu einem Wendepunkt. Plötzlich sah ich diesen Menschen mit anderen Augen. Jemand, der trotz heftigster Kritik diese Aussage wiederholt, für Menschlichkeit und eine Willkommenskultur eintrat. Der starken moralische Haltung von Angela Merkel konnte und kann ich nur meinen Respekt zollen.

Auch jetzt, während der Corona-Krise finde ich ihren Kurs richtig und wichtig. Zurück aber zu dem Moment vor fast fünf Jahren und den Entwicklungen, die dorthin führten. Meine Frau und ich haben uns gestern in der ARD-Mediathek den Film „Die Getriebenen“ angesehen.

Filmszene aus "Die Getriebene"

Filmszene aus „Die Getriebenen“ — Quelle: ARD

Wir haben so viel geschafft — wir schaffen das

Der Film ist, wie ich halt ironisch meine, so was wie „Wir schaffen das — der Film“. Er beginnt mit dem Höhepunkt der Griechenland-Krise. Der Grexit geistert durch den Anfang. Während diese Klippe umschifft wird, kenter im Mittelmeer zahlreiche Flüchtlinge in ihren Booten. Die Zahl der Toten nimmt dramatisch zu. Es wird zum Auftakt der Flüchtlingskrise, bei der Ungarn mit Viktor Orbán an der Spitze eine sehr unrühmliche Rolle einnimmt.

Der Film thematisiert die sogenannte Flüchtlingskrise, greift die damaligen Abläufe auf. Dennoch, bereits im Vorspann gibt es einen wichtigen Hinweis. Die Spielszenen seien nur eine Annäherung an das wirkliche Geschehen. Als Vorlage für den Film „Die Getriebenen“ wurde das gleichnamige Sachbuch von Robin Alexander verwandt.

Mich hat beim ansehen erschreckt, wie viel ich bereits wieder vergessen hatte. Insbesondere das Ausmaß der Gewalt gegen Flüchtlinge in Deutschland, den ganzen Hass hatte ich nicht mehr auf dem Schirm.

Der Film selber ist ein Glanzstück des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Die 63 Tage noch mal mit zu verfolgen, ist enorm spannend. Die Schauspieler hervorragend gewählt, Bild und Schnitttechnik hervorragend. Einen kleinen Haken hat der Film jedoch, wie bereits Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung im April anmerkte. Er ist fast eine Heiligsprechung für Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Wenn man das nicht so übertreibt, bleibt in jedem Fall ein anderes Fazit. Politiker sind auch Menschen. Wir sollten das nicht vergessen und vorschnelles urteilen unterlassen.

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