Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Einsatz zum Mitspielen

Zubehör bei Brettspielen ist mittlerweile ein zusätzliches Marktsegment geworden. Schuld daran ist wohl der Traum nach einem perfekt ausgestatteten Spiel.

Spielen mit Einsatz gibt es nicht nur beim Pokern. Am Spieltisch schaffen Schalen und Kästchen Ordnung im Chaos des Spielmaterials.

Mitspieler weniger verzweifelt gesucht

In Zeiten von Social Distance beschränkt sich der Kreis potenzieller Mitspieler. Einige von uns greifen zu Solospielen, andere haben das Glück, Mitspieler im engsten Familienkreis zu haben. Selbstverständlich werden auch wieder besser Tage kommen.

Darüber hinaus bietet das Hobby Brettspielen noch genügen Möglichkeiten, sich anderweitig damit zu beschäftigen. Immer wieder gerne dabei: die Optimierung einzelner Spiele hinsichtlich des Materials und des Einsatzes für die Schachtel. Drüben beim Abenteuer Brettspiel bin ich gestern über den Artikel „Zubehör für Brettspiele – Was es gibt und was ihr wirklich braucht“ gestolpert. Meine kurze Meinung dazu: Das, was man wirklich braucht, hängt von jedem selber ab. Stark auch davon, welcher Typ Spieler man ist. Eins ist nämlich klar, wirklich nötig ist nahezu kein Zubehör. Puristen reicht auch daher die Ausstattung, so wie sie vom Verlag daherkommt. Entsprechend sehen die Spiele manchmal auch aus — sofern Spiele reine Gebrauchsgegenstände sind (oder es sich um ein Zweitexemplar handelt), ist das auch völlig ok.

Sammler dagegen blutet das Herz, wenn sie einem Brettspiel begegnen, dem man die häufige Verwendung deutlich ansieht. Peer hat dabei eine interessante Einteilung, die ich gerne aufgreife: Dinge, die schützen und Dinge, die vereinfachen. Seine Auflistung ist umfangreich, dabei begründet er auch seine Ansicht jeweils gut. Allerdings habe ich eine leicht andere Haltung zum Thema. Daher auch mein Senf dazu. Bevor wir aber zum Einsatz kommen und andere praktischen Dingen, meine Kategorien für Materialergänzungen bei Brettspielen.

Einsatz für Glen More II

Einsatz für Glen More II

Nur zu deinem Schutz

Es gibt eigentlich vier Kategorien. Die Erweiterungen eines Spiels durch den Verlag selber. Sie sollen in der Regel das Spiel abwechslungsreicher machen und um Varianten bereichern. Manche Erweiterungen machen ein Spiel auch erst spielbar.

Die zweite Kategorie bilden Upgrades des Materials, entweder durch den Verlag oder Dritthersteller. Dazu gehören Metallmünzen, realistische Ressourcen (wie etwa in Scythe) und Spielmatten. Sie sind nicht zwingend erforderlich, sorgen aber für ein schöneres haptisches Erlebnis beim spielen. Spaß macht so was besonders dann, wenn man seine Lieblingsspiele auf diese Weise aufwerten kann. Allerdings gibt es auch Spiele, bei denen Upgrades fast ein Muss sind — hier muss man sich nur das Spielgeld bei Wasserkraft anschauen. Upgrades wie etwa Overalls erleichtern die Handhabung, gutes Beispiel sind hier die Spielerboards von Terraforming Mars.

Unter die Kategorie Schutz fällt alles, was die Langlebigkeit des Spielmaterials erhöhen soll. Gut verarbeitetes Spielmaterial benötig prinzipiell keinen Schutz, aber wir wissen ja alle, wie es mittlerweile um die Produktionsqualität bestellt ist. Absolutes Muss für mich sind in jedem Fall Kartenhüllen. Die Abnutzung führte nämlich unter anderem dazu, dass Karten dann „gezinkt“ sind.

Was Münzkapseln angeht, die findet Peer ja übertrieben. Ich jedoch nicht. „Orléans“ oder „Arkham Horror: Das Kartenspiel“ ohne Münzkapseln? Undenkbar für mich. Die Pappplättchen nutzen einfach viel zu schnell ab. Außerdem, hier verbessert sich die Haptik erheblich. Von der Idee, Spielertableaus zu laminieren halte ich dagegen nichts.

Ihren Einsatz, bitte!

Kommen wir aber zur letzten Kategorie. Die Sache mit dem Einsatz bei Brettspielen. Da Thema verfolgt mich eigentlich schon seit Anfang der 1990er Jahre. Im Freundeskreis und Spielekreis waren die Plastik-Einsätze verpönt. Auch deshalb, weil sie oft nicht wirklich gut geeignet waren, das Material wirklich zu sortieren. Bei Importspielen gab es die coolen Zip-Beutel, die aber damals schwer zu bekommen waren. Mittlerweile bekommt man sie hinterhergeworfen, aber sie haben als Ersatz für einen Einsatz auch ihre Tücken.

Für mich ist der springende Punkt beim Thema Einsatz der Zeitaspekt. Die Zeit, die man zum aufbauen und abbauen eines Brettspiels benötigt. Wenn man etwa unterschiedlichen Ressourcensorten bei einem Brettspiel von einem Zip-Beutel in ein Schälchen schüttet, welches man vorher von irgendwoher holt und auf den Tisch stellt. Klar, man kann auch alles auf den Tisch schütten und Häufchen bilden. Das verlängert dann die Zeit, die man für das Aufräumen benötigt. Je mehr Spielmaterial ein Spiel hat und je aufwendiger Auf- und Abbau sind, desto seltener kommt es bei uns zu Hause auf den Tisch. So einfach ist das.

Genau aus diesem Grund habe ich mich intensiv mit dem Thema Schachteleinsätze beschäftigt. Die Besten sind die, welche eine gute Sortierung ermöglich, beim Transport genau so eine gute Figur machen wie auf dem Spieltisch selber. Im Idealfall kann man das Spielmaterial bei einem guten Einsatz aus der Schachtel nehmen und losspielen. Initialzündung bei mir war der Schachteleinsatz für Terraforming Mars — obwohl ich schon lange davor eigene Tuck Boxen für Firefly gebastelt hatte.

Kaufen oder Selbermachen

Mittlerweile gönne ich den meisten meiner Spiele einen maßgeschneiderten Einsatz. Die Gretchenfrage für viele von uns ist dabei immer: Kaufen oder Selbermachen. Für Einsätze kann mein ziemlich viel Geld ausgeben. Gute Erfahrungen habe ich mit denen von Folded Space gemacht. Sie bieten ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Zusammenbauen muss man sie zwar noch selber, aber die Anleitungen sind gut verständlich.

Mit Schaumpappe kann man selber Hand anlegen und sich einen eigenen Schachteleinsatz basteln. Bei Boardgamegeek finden sich auch zahlreiche Anregungen dafür. Das Problem dabei ist jedoch aus meiner Sicht die Begrenzung des Materials. Nicht alles lässt sich aus Schaumpappe basteln. Eng wird es zudem dort, wo wenig Platz in der Spielachtel bleibt für eigene kreative Einsätze.

Für mich bestand daher der nächste logische Schritt in der Anschaffung eines 3-D-Druckers. Damit eröffnet man sich ganz neue Möglichkeiten. Missen möchte ich den Drucker auf keinen Fall mehr. Freitags ein neues Brettspiel auspacken, einen ersten Blick in die Regeln werfen und feststellen, dass man wohl noch ein paar Sortierkästchen für das Material benötigt. Sonntag konnte ich dank entsprechender Vorlage Glen More II schon gut sortiert spielen.

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