Mut zum Wahnsinn

Wie eine Möhre hängte man bisher den Bundesbürger Lockerungen vor die Nase. Jetzt erfolgen sie Schlag auf Schlag. Fraglich, ob die Belohnungen tatsächlich verdient sind.

Es erfordert wesentlich mehr Mut, Nein zu sagen als einfach den zunehmenden Forderungen nachzugeben. Leider keine Einsicht der Bundesregierung.

Lockerungsübungen

Laut Bundeskanzlerin Angela Merkel könne man sich ein Stück Mut leisten. Da die Infektionsraten weiter gesunken seien, spräche erst mal nicht gegen weitgehende Lockerungen. Man behalte sich aber vor, jederzeit wieder die Notbremse zu ziehen.

Häufig sind die Grenzen zwischen Mut und Wahnsinn fließend. Allerdings gäbe es ohne Risiko auch keinen Mut. Die Frage im Fall der Corona-Krise ist jedoch, Bob die Lockerungen wirklich schon angebracht sind. Oder aber, ob sie lediglich das Vorspiel für eine zweite Infektionswelle sind, die Deutschland dann umso heftiger treffen wird.

Viel mutiger wäre es daher gewesen, weiterhin auf die Einschränkungen zu bestehen. Sich also den Willen vieler Ministerpräsidenten der Länder entgegenzustellen. So aber wird nachgeben, wenn auch mit dem Hinweis, die Verantwortung läge jetzt in den einzelnen Bundesländern. Falls es schief geht, ist man dann fein raus. Das ist nicht mutig, sondern eher feige.

Wie dem auch sei, dass scheinbar Wichtigste ist für viele Deutsche der Neustart der Bundesliga. Ohne Fußball geht ja hierzulande die Welt unter. Wer braucht schon Kinderbetreuung? Schließlich ist das ja traditionell Frauensache, während Mann mit Bier vor Fernsehen den Fußballübertragungen frönt— Stadionbesuche bleiben auf absehbare Zeit weiterhin verwehrt.

Was den ganzen Schwung von Lockerungen anbetrifft, ist berechtigter Zweifel angebracht. Vor allem auch deshalb, weil die Kontrollmöglichkeiten offensichtlich begrenzt sind.

Kontaktbeschränkungen mutig umgehen

Kontaktbeschränkungen mutig umgehen

Risikofaktor Mut

In vielen Bereichen des öffentlichen Lebens soll weiterhin die Maskenpflicht gelten. Ebenso sei ein Mindestabstand von 1,50 Meter einzuhalten. Wie gut das in den vergangenen Tagen funktioniert hat, kann jeder selber nachlesen. Auch die Hygienekonzepte der Geschäfte sind sinnfrei, wenn sich davor lange Schlange von Menschen bilden, denen der Mindestabstand egal ist. Das ist allerdings nicht Mut zum Risiko, sonder schlitzen Dummheit beziehungsweise rücksichtsloses und asoziales Verhalten.

Abgesehen davon, dass man hier in der autofreien Siedlung in den vergangenen Wochen wenig von den Kontaktbeschränkungen gehalten hat, sind diese mittlerweile meiner Meinung nach obsolet. Warum soll man sich nicht privat treffen dürfen, wenn man sich angemessen verhält? Mir scheint das leichter zu sein, als der Irrsinn, der in der Öffentlichkeit wieder möglich ist. Dazu gehört etwa, die Kinderspielplätze zu öffnen. Die Einhaltung von Regeln lassen sich hier nicht kontrollieren. Es ist lebensfremd, etwas anderes anzunehmen.

KiTa-Betreuung wird es weiterhin nur als Notbetreuung geben. In der Kita ließe sich aber die Ausbreitung von Infektion besser beobachten und in den Griff bekommen, als wenn man die Betreuung der Kinder weiterhin in private Hände lässt. Eltern organisieren sich, um sich Freiräume zu schaffen. Dabei werden die Kontaktbeschränkungen unterlaufen. Aber wie gesagt, Hauptsache der Fußball rollt wieder — mit Sicherheit werden die Profispieler auf einen Mindestabstand von 1,50 Meter zueinander achten.

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