Vergangene Donnerstag verstarb im Alter von 84 Jahren Norbert Blüm. Der ehemalige CDU-Politiker erlag den Folgen einer Blutvergiftung.

Nachträglich betrachtet

Oft ist die Neigung groß, bei Politikern andere Parteien nicht genauer hinzusehen. Sieht man sich selber SPD nah bis weiter links, dann ist die CDU ein großer schwarzer Block. Erst mit zunehmenden eigenen Alter lernt man zu differenzieren. Man schaut genauer hin, sieht nicht die Partei, sondern den einzelnen Menschen. Während ich beim bereits 2017 verstorben Heiner Geißler sehr lange schwertat, was wohl auch seiner zeitweisen Rolle als CDU-Generalsekretär geschuldet war, fand ich Norbert Blüm schon deutlich früher sympathisch.

In meinen Erinnerungen gespeichert ist natürlich der Satz „Denn eins ist sicher: Die Rente“. Aber auch die Fähigkeit von Norbert Blüm, über sich selber zu lachen. Ein verschwitzter Humor, der ihn bodenständig und sympathisch machte — obwohl er CDU angehört und ein lange Zeit lang mit Helmut Kohl befreundet war. Wie Geißler zählte man in der CDU Blüm spöttisch zu den Herz-Jesu-Marxisten. Eigentlich eine Auszeichnung für jemanden, der die katholische Soziallehre ernst nimmt. Jemand, der das C im Parteinamen mit Inhalt zu füllen weiß.

Mit dem Tod von Norbert Blüm verliert die CDU wieder ein Stück von ihrem C. Männer wie Friedrich Merz und Konsorten stehen vornehmlich für ein K, wie Kapitalismus.

Nachruf für Norbert Blüm

In Gedanken an Blüm

Nachruf zu Norbert Blüm

In der Zeit zwischen 1982 und 1998 war Norbert Blüm Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung. Eine Zeit, in der ich politisch sozialisiert wurde. Blüm gehörte zum anderen Lager, eine Auseinandersetzung mit ihm hielt ich daher nicht für notwendig. Manchmal ist man als Jugendlicher deutlich engstirniger als später im Alter.

Über Blüm weiß ich daher wenig. Das, was ich jetzt nachträglich erfahre, flößt mir Respekt vor diesem Menschen ein. Ihm ließ etwa das Schicksal von Flüchtlingen nicht kalt. Aus Solidarität mit den Flüchtlingen übernachtete er 2016 in einem Lager in Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze. Weil es ihm wichtig war.

Rückblickend glaube ich, dass er den Satz mit der sicheren Rente damals ernst gemeint hat— überzeugt von der sozialen Sicherung. Ein rotes Tuch war für Norbert Blüm die Riester-Rente. Er sah darin vor allem ein Geschäft für Versicherungen und ein Weg, wie sich der Staat aus der sozialen Verantwortung stehlen kann.

Auf Blüm geht auch die Pflegeversicherung zurück. Die setzte er gegen den Widerstand aus den eigenen Reihen, der FDP und den Arbeitgebern mit Unterstützung der SPD durch. Auch wenn das als großer Verdienst gilt, bleibt es wie auch das gesamte Gesundheitssystem eine Dauerbaustelle. Gut nachzulesen im aktuellen Buch „Kranke Pflege“ von Alexander Jorde.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.