Von allen guten und bösen Geistern verlassen

In Zeiten der Corona-Krise ist man für jedenur erdenkliche Ablenkung dankbar. Eine passende Serie dafür ist Downton Abbey.

Das Haus am Eaton Place

Selbst im Wartezimmer beim Friseur oder Arzt ziehe ich es vor, lieber Löcher in die Decke zu starren als auch nur ein Druck-Erzeugnis der Regenbogenpresse zur Hand zu nehmen. Die Schicksale der Adelsfamilien interessieren mit in keiner Weise.

Adel? Das ist doch nur was für Dienstboten!

Allerdings folge ich „The Royal Family“ auf Facebook. Wohl eine Nachwirkung von „The Queen“ und „The Crown“. Die Ursachen dafür, dass ich sowohl den Film als auch die Serie gesehen habe, liegen tief in meiner Vergangenheit vergraben. Als Kind schaute ich nicht nur Hexenmeistern bei der Arbeit zu (Catweazle), sondern nahm auch teil am Schicksal einer Londoner Familie und ihren Dienstboten. Wie viele Folgen der Serie „Das Haus am Eaton Place“ ich tatsächlich damals sah, kann ich heute nicht mehr genau sagen. Die Abläufe im streng organisierten Alltag der Familie müssen mich aber wohl geprägt haben. Routine, Korrektheit – die Details der kleinen Dinge. Manchmal ertappe ich mich dabei, in der Wohnung Gegenstände wieder genau so an ihren ursprüngliche Platz zu verschieben, wie ich ihn gewohnt bin.

Natürlich war es eine andere Welt und eine andere Zeit in der Serie. Genau das ist es, was mich aktuell an Downton Abbey so fasziniert.

Nicht Downton Abbey

Burgruine in Irland

Faszination Downton Abbey

Zugegeben, ich gehöre bei Downton Abbey zu den Spät-Konsumenten. Die erste Staffel lief vor zehn Jahren an. Was aber eigentlich völlig egal ist, weil die Serie keinen Bezug zu aktuellen Ereignissen hat. Genau das macht Downton Abbey so beruhigend während der Corona-Krise. Dabei ist die Serie alles andere als lediglich seichte Unterhaltung.

Mit einer enormen Detailgenauigkeit dreht sich die Serie im Kern um das Leben einer Adelsfamilie in England am Anfang des 20. Jahrhunderts. Themen wie der Untergang der Titanic, Frauenwahlrecht, Ausbruch des Ersten Weltkriegs, die spanischen Grippe oder die irischen Unabhängigkeitsbestrebungen werden aufgegriffen.

Bis in die Nebenrollen ist Downton Abbey ist großartig besetzt. Die Figuren sind dabei keine Abziehbilder, sondern handeln sehr plausibel. Sie machen Fehler und ändern mitunter nachvollziehbar ihren Standpunkten. Den Wendungen dabei zuzusehen, ist spannend.

Meine persönliche Lieblingsfigur ist Dowager Countess Grantham, gespielt von Maggie Smith. Bekannt ist sie mir vor allem als Minerva McGonagall aus den „Harry Potter“ Filmen. Schaut man sich die Vita von Maggie Smith an, kann man nicht anders als beeindruckt sein. In Downton Abbey sorgt sie spitzen Bemerkungen und überraschenden Wechsel der Fronten für Abwechslung.

Aktuell sind wir mitten in der dritten Staffel, haben also noch etwas vor uns. Und dann gibt es da j noch den Film — wobei die einzelnen Folgen der Serie eigentlich bereits Filmlänge haben.

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