Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Aus dem Masse des Streaming-Angebotes ragen einige Filme bei Netflix heraus. Einer davon ist „The Irishman“ von Martin Scorsese.

Auf die lange Bank

Bereits am 27. November 2019 war The Irishman weltweit auf Netflix verfügbar. Meine Frau und ich wussten schon damals aufgrund der ersten Kritiken, wie gut der Film war. Selbstverständlich würde er uns gefallen, schließlich spielte darin Robert De Niro die Hauptrolle. Dennoch, wir schoben den Film auf die lange Bank. Anders wurde gesehen, aus Absichten wurden immer wieder Pläne. Ursache dafür ist vor allem die nicht unerhebliche Länge des Films. Gut 210 Minuten sitze man nicht mal eben auf einer Backe ab. So was will geplant werden. Unter der Woche lässt sich so was kaum an einem Stück sehen.

Im letzten Urlaub hätten wir Zeit gehabt, aber so einen Film sollte man auf großer Leinwand oder zumindest mit dem heimischen Fernseher ansehen. Und nicht auf einer Nordseeinsel auf dem iPad. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben. Daher fanden wir endlich über diese merkwürdigen Feiertage hier in Köln Zeit, uns The Irishman endlich anzusehen. Wir taten an einem Stück, ohne die für uns bei solchen Längen üblichen Unterbrechungen und weiterschauen am nächsten Tag — manche solcher Filme verteilen sich bei uns sogar auf mehrere Tage.

The Irishman

Wolkenverhangenes Irland

Beindruckender The Irishman

Was soll ich sagen beziehungsweise schreiben, The Irishman ist definitiv beeindruckend. Der Film nimmt sich Zeit, arbeitet mit vielen Rückblenden und hat sein ganz eigenes Tempo. Das muss man mögen, auch aushalten können. Im Kern dreht es sich um Frank Sheeran und den Mord am Chef der Transportarbeitergewerkschaft, Jimmy Hoffa. Die Handlung beruht dabei auf realen Personen und Gegebenheiten. Im Film werden auch Zitate aufgegriffen, wie etwa „Ich habe gehört, Sie streichen Häuser“. Eine Umschreibung der Mafia für einen Auftragsmord. Steht man zudem für „Zimmermannsarbeiten“ zur Verfügung, erledigt man auch die Entsorgung der Leichen.

Die Art und Weise, wie Robert De Niro die Figur ausfüllt, ist enorm beeindruckend. Man erfährt im Film, wie Sheeran zu dem Menschen wurde, der oben Widerspruch für die Mafia Morde ausführte. Selbst den an Hoffa, dem er uns seine Familie nahestanden.

Interessant fand ich persönlich die Beziehungsebene von Sheeran zu seiner jüngsten Tochter. Die Entfremdung zwischen Vater und Tochter bekommt man voll mit, registriert selbst die kleinsten Blicke und Gesten. Peggy verabscheut das, was ihr Vater macht und zeigt es viel deutlicher als ihre älteren Schwestern. Sie ist es auch, die als Erwachsene den Kontakt zum Vater vollständig abbricht.

Am Ende trifft Sheeran die Erkenntnis wie ein Schlag. Obwohl er stets nur das Beste für seine Töchter wollte, hat er genau das Gegenteil erreicht. Statt ihren Vater zu lieben hatten sie Angst vor ihm und das, was er tun könnte, um sie zu beschützen.

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