Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Der Film Ad Astra wird von einem ganz eigenen Tempo getragen. Möglicherweise lässt er dabei die Zuschauer alleine zurück.

Ende vor dem Anfang

Zwei Warnungen direkt vorweg. Der nachfolgende Text nimmt keine Rücksicht auf eventuelle Spoiler. Zweitens, es ist im eigentlichen Sinne keine Rezension oder Filmbesprechung. Ad Astra ist aus meiner Sicht ein guter Anstoß, um weiter zu denken.

Die Story selber kann man an vielen Stellen im Netz nachlesen. Der von seiner Frau getrennt lebenden Astronaut Roy McBride begibt sich auf eine Weltraummission, um die Quelle von Energiewellen auszuschalten. Diese führten auf der Erde bereits zu verheerenden Katastrophen. Die Mission hat für McBride besondere Brisanz, da sein Vater anscheinend Verursacher der Energiewellen zu sein scheint.

McBride Senior brach vor 20 Jahren zu einer Mission auf, um mit seiner Crew nach intelligenten Leben im All zu suchen. Vor 16 Jahren brach jeder Kontakt ab. Möglicherweise tötete McBride die Besatzung, um die Mission weiter fortsetzen zu können.

Im Kern handelt es sich bei Ad Astra um eine Vater-Sohn-Geschichte. Eine zerrütte Beziehung, die sich fortsetzt und Niederschlag findet in der Beziehung vom Junior zu seiner Frau.

Nach üblichen Widrigkeiten erreicht Roy die Lima-Station und findet dort die Leichen der Crew. Beim Platzieren eines Atomsprengsatzes trifft er auf seinen noch sehr lebendigen Vater. Der wird getrieben von der Suche nach intelligenten Leben draußen in den Sternen.

Ad Astra – Zu den Sternen

Ad Astra – Zu den Sternen

Tempo von Ad Astra

Es gibt bei Ad Astra ein paar Momente, wo die Geschwindigkeit anziehst. Etwa die Verfolgungsjagd auf dem Weg zur Rückseite des Mondes. Ansonsten aber hat Ad Astra einen Ruhepuls von 45, so wie Roy McBride in fast jeder Situation.

Man kann den ganzen Film als belanglos darstellen, wie er in einigen Kritiken auch bezeichnet worden ist. Oder aber man nimmt ihn als Anstoß und sieht etwas dahinter. Für mich entspringt die Faszination aus der Frage, wie auch McBride Senior umtreibt. Gibt es noch anders intelligentes Leben im All oder sind wir Menschen ganz alleine in der gefühlten Unendlichkeit? Letzteres wäre ein wenig tröstende Vorstellung. McBride Senior treibt es in Ad Astra über alle Grenzen hinaus, um die Suche fortsetzen zu können – nicht nur sprichwörtlich geht er dabei über Leichen.

Der Kampf gegen Ende mit seinem Sohn ist eigentlich auch eher ein Handgemenge, um sich Selbst in den Tod befreien zu könne. Angebunden an seinen Sohn zurück zu Erde ist für ihn unvorstellbar. Gerade auch weil er alle Bindungen und Brücken abgebrochen hat. Die Erkenntnis des Scheiterns seiner Mission ist für ihn gleichbedeutend mit dem eigenen Tod, der erst später, alleine im All treibend einsetzen wird.

Wie viel wäre jeder von uns bereits zu riskieren, um eine Antwort auf die Frage zu bekommen? Das ist die eine, spannende Frage. Die andere, wie wir dann mit dieser Antwort umgingen.

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