Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Erwartungshaltung bei Brettspielen

Immer wieder taucht das Thema Erwartungshaltung bei der Rezension von Brettspielen auf. Unterschiedliche Positionen führen zu Kontroversen.

Sackgasse Rechtschreibfehler?

Mittlerweile sollte ich ja schon etwas Übung darin haben, mit Kritik an meiner Kritik umzugehen. Wie heißt es so treffen: „If you can’t stand the heat, get out of the kitchen.“ Auf unsachliche Kommentare oder persönliche Angriffe reagiere ich bereits nicht mehr. Klar ist mir bewusst, dass meine Texte nicht nur manchmal Tippfehler enthalten — obwohl sie mehr als einmal Korrektur gelesen werden.

Fairerweise sollte auch der nicht unerhebliche Aufwand betrachtet werden. Das ganze Projekt Brettspiel-Rezensione.de bringt keine Einnahmen. Für eine Rezension wie etwa „Aufbruch nach Newdale“ brauche ich über eine Woche, obwohl ich ziemlich konzentriert an so was arbeiten kann. Gespielt werden muss das Spiel dazu auch noch. Dann die Erwartungshaltung zu haben, ein von mir kostenlos angebotener Artikel müsse zu 100 Prozent frei von Tipp- und Rechtschreibfehler sein ist schon etwas unverfroren. Vor allem, wenn man den Subtext in solchen Haltungen liest: „Sag nur deine Meinung, wenn du fehlerfrei bist.“ Da war doch was mit dem ersten Steine irgendwo — aber lassen an dieser Stelle.

Mir geht es um etwas anderes, nämlich die Erwartungshaltung von jedem von uns gegenüber Brettspielen. Genau die hat einen nicht unwesentlichen Einfluss, wie eine Rezension auf uns wirkt.

Erwartungshaltung bei kooperativen Spielen

Neue Versuche auf der Insel

Eigene Erwartungshaltung

Jeder Mensch tickt anders, also schreibe ich daher am besten über meine eigene Erwartungshaltung. Grundsätzlich dürfen sich Spiele für mich nicht nach Arbeit anfühlen. Sie dürfen herausfordernd sein und auch die Anleitung muss nicht nur aus einer Seite bestehen. Es ist klar, dass komplexere Zusammenhänge bei Brettspielen eine umfangreichere Erklärung erfordern. Ein gutes Spiel darf auch ein Regelheft besitzen, welches man durcharbeiten muss, um das Spiel zu verstehen.

Kategorisierungen wie etwa „Eurogame“ sind mir persönlich zu pauschal. Vor allem dann, wenn sie dazu dienen, eine bestimmte Erwartung zu wecken. Wie mit allen Schubladen besteht auch die Gefahr, aus solchen nicht mehr heraus zu kommen. Die Einordnung ist auch sinnfrei, wenn man ein Spiel noch deshalb als „Eurogame“ bezeichnet, weil es von einem deutschen Verlag und deutschem Autor stammt. So jedenfalls mein Eindruck.

Zurück aber zum Thema. Von Spielen erwarte ich generell zwei Dinge. Für mich müssen sie Interaktion zwischen den am Tisch sitzenden Mitspielern enthalten. Alleine spielen kann ich auch an der Konsole. Oder ein gutes Buch lesen. Solitäre Puzzle öden mich an. Glück im Spiel finde ich dagegen ok, wobei es jedoch darauf ankommt, wie der Glücksfaktor in ein Spiel integriert ist. Ein gutes Beispiel hierfür ist „Can`t stop“. Ja, es wird gewürfelt. Aber das wirkliche Risiko ist hier nicht das Würfeln, sondern die eigene Gier.

Seichte Spiele

Was meine Erwartungshaltung hinsichtlich der Komplexität von Brettspielen angeht, halte ich es wie mit Musik. Ich bin nicht festgelegt, solange der Mix stimmt und das Gesamtpaket überzeugt. Daher mag ich sowohl anspruchsvolle, zeitlich ausufernde Spiele als auch Spiele, die locker daher kommen. Und sich eventuell selber nicht ernst nehmen.

Im Regal stehen bei mir sowohl Brecher wie „Pathos of Glory“ als auch „Bluff“ — ein immer noch geniales Würfelspiel mit extrem viel Interaktion. Beide erfüllen in jedem Fall die Erwartungshaltung von mir hinsichtlich Unterhaltung und Spielspaß.

Nicht ausstehen kann ich Spiele, bei denen ich mich der Mechanik ausgeliefert fühle. Bei dem eigene Entscheidungen durch Mängel im Design ins Wanken gebracht werden. Mit Verlieren habe ich kein Problem, wenn ich verliere, weil jemand anders besser gespielt hat. Oder die besseren Karten, was auch immer. Wenn aber bereits im Set-up des Spiels meine Niederlage zementiert wird, brauche ich nicht zu spielen.

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