Oft fühlen sich Politiker im Ruhestand wie durch ein Tempolimit ausgebremst. Dem ehemaligen SPD-Chef Sigmar Gabriel geht es genau so.

Private Altersvorsorge

Auch bei Politikern geht die Angst vor Altersarmut um. Was wenn man im Golfklub keine Lokalrunde mehr werfen kann? Oder sich vom Personal für die Jacht trennen muss? Gerade dann, wenn man nicht mehr im Rampenlicht der Öffentlichkeit steht, möchte man es so richtig krachen lassen. Ganz nebenbei benötigt man das Gefühl gebraucht zu werden wie ein Junkie seinen nächsten Schuss.

Aus diesem Grund treib auch Sigmar Gabriel seine private Altersvorsorge um. Die sieht natürlich ein wenig anders aus als bei Erna und Otto Normal. Was ja auch schließlich mit den höheren Ausgaben zusammen hängt.
Für einen ehemaligen Lehrer wie Gabriel läge es natürlich nah, eine Beschäftigung im Bildungsbereich aufzunehmen. Aber wir wissen ja alle nur zu gut, wie schlecht das bezahlt wird. Irgendwas in der Wirtschaft, was Kohle bringt, wäre daher perfekt. Der ehemalige Kumpel Schröder hat es bereits vorgemacht. So ein Aufsichtsratsposten würde schon passen. Geld, Aufsichtsratsposten — cool wäre ja, direkt zur Quelle zu gehen. Also ein Posten im Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Klingt nach einem schlechten Scherz, ist aber keiner. Bei uns Jusos kursierte damals der Spruch „Vor dem ersten Tank kommt die Deutsche Bank“. Den Spruch scheint Gabriel nicht zu kennen oder vergessen zu haben. Ein moralisches Tempolimit bremst nur, wenn man noch mal so richtig Gas geben möchte.

Tempolimit überflüssig

Tempolimit überflüssig

Ohne Tempolimit vor die Wand

Bleiben wir bei Politikern und Tempolimit. Zwischen Sigmar Gabriel und Andreas Scheuer gibt es einen bedauerlichen Unterschied. Gabriel ist aus der aktiven Politik ausgestiegen. Der Bundesverkehrsminister würde gut daran tun, diesen Weg ebenfalls für sich einzuschlagen.

Wie notwendig ein Tempolimit ist, hat sich mittlerweile in weite Teile unserer Gesellschaft herumgesprochen. Fast so was wie eine Zustimmung gibt es auch von Deutschlands bekanntesten Autolobyisten, dem ADAC. Dieser rückte vor ein paar Tagen von seiner generellen Ablehnung ab und kann sich ein Tempolimit mittlerweile auch vorstellen. Was wohl dem Umstand geschuldet ist, dass der über 46 Prozent der Mitglieder des Vereins diese Meinung haben. Als Verein vertritt der ADAC die Interessen seiner Mitglieder — meistens jedenfalls, wenn gerade kein Hubschrauber zur Verfügung steht.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer dagegen kritisiert den ADAC für sein Umdenken. Für Scheuer kommt ein Tempolimit nicht infrage. Hier müsste dann die Frage stellen, wessen Interessen der Bundesverkehrsminister eigentlich vertritt. Die der Wählerinnen und Wähler möglicherweise nicht. Das hat er bereits bei der Maut-Affäre bewiesen. Was wiederum zeigt, dass Politiker nicht erst im Anschluss ihrer Karriere wie Gabriel eine Laufbahn als Lobbyist einschlagen. Sondern sogar in ihrer aktiven Zeit eine saubere Interessentrennung nicht geregelt bekommen.

2 Kommentare

  1. Jeder normale Arbeitnehmer wäre bei einer solchen massiven finanziellen Schädigung, wie die dank dem Maut-Debakel, längst gekündigt worden.
    Und hätte vielleicht sogar eine Klage zwecks Regress-Ansprüchen am Hals. Nur in der Politik, da kann man sich offenbar teure Schnitzer leisten.
    Was würde eigentlich passieren, wenn alle Steuerzahler einfach mal ups! für ein Jahr ihre Steuer nicht machen würden? Eine kollektive Verweigerung. Brechen unsere Granden dann zusammen? Würden sie ausrasten und zu einem Texas Chainsaw Massacre ausholen?
    Ich bin mir sicher, wir hätten nicht ganz die massiven Probleme mit Rechtsnationalen/ -extremen oder vielmehr ihrem bisherigen Erfolg, wenn Lobbyisten-Tätschler und Steuergeldversenker einfach entfernt würden. (Also nicht so, wie die Braunen es jetzt verstehen würden.)

  2. Leider wahr. Die Anzahl der negativen Beispiele häuft sich. Und das ist Wasser auf den Mühlen der Braunen. Das Thema hatte ich vor drei Wochen beim Friseur. Wir hatten auch das Gedankenspiel, was wohl wäre, wenn man auf diese Weise den Rechten Wind aus den Segeln nehmen würde.

    Heute Morgen hatte ich dann eine komisches Bild im Kopf. Was würde wohl passieren, wenn Angela Merkel nach ihrer aktiven Zeit ehrenamtlich für die Tafel arbeiten oder in sich in der Flüchtlingshilfe engagierte? Es wäre auf jeden Fall ein ziemlich starkes Statement.

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