Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Die Weihnachtsmarktsaison spült wieder Busladung von Touristen nach Köln. Darunter auch eine ganze Reihe Niederländer auf der Suche nach Glühwein.

Nachbarn richtig verstehen

Bereits als Kind lernte ich, dass man Niederländer und nicht etwa Holländer sagt. Letzteres wäre in etwa so, als würde man alle Deutschen als Kölner bezeichnen. Gut, Köln ist keine Provinz wie Holland — aber auf andere Weise Provinz. Die anderen Bezeichnungen für Niederländer lasse ich an dieser Stelle mal unter den Tisch fallen. Insbesondere Bemerkungen meines Vaters, wenn diese mit Wohnwagen etwas unkonventionell auf deutschen Autobahnen unterwegs waren.

Urlaube in den Niederlanden machte ich mit meiner Familie ganz zwei Mal. Und das, obwohl das Nachbarland vom Niederrhein nur einen Katzensprung entfernt ist. Stattdessen musste ich mit in die Berge. Als junger Erwachsener gab es einen etwas eigenartigen Segeltörn auf dem IJsselmeer — ungünstig zu WM-Zeiten. Und eine Durchreise auf dem Weg nach Schottland. Zwei harte Tage, die meinem Freund und mir auf dem Fahrrad einiges abverlangten, uns aber Land und Leute auf ganz neue Weise zeigten.

Kurz zusammengefasst gesagt, mir sind die Niederländer sehr sympathisch. Das hat viele Gründe, einer davon ist Ontbijtkoek. Schmeck mir rund ums Jahr, nicht nur in der Vorweihnachtszeit. Damit wären wir dann wieder bei den Weihnachtsmärkten und einer merkwürdigen Beobachtung.

Niederländer zu Gast in Köln

Niederländer zu Gast in Köln

Köln triff Niederländer

Gestern auf dem Weg zum Friseur in der Kölner Innenstadt liefen sie mir wieder über den Weg. Niederländer, in Gruppen und manchmal sogar mit leeren Glühweinbechern weit vom Weihnachtsmarkt entfernt. Es war gestern ein Freitag in der Vorweihnachtszeit, wie er hässlicher nicht hätte sein können. Bereits um kurz nach 16 Uhr dämmerig-dunkel, regnerisch nass und ziemlich ungemütlich mit Temperaturen deutlich über dem Gefrierpunkt. Kein Wetter, bei dem ich freiwillig in der Stadt unterwegs sein möchte. Weder in Köln noch sonst wo.

Die Niederländer schienen aber hart im Nehmen zu sein. Mit meinem Friseur gemeinsam versuchte ich das Rätsel zu entwirren, aber wir kamen einfach nicht dahinter. Was zieht Menschen aus den Niederlanden in die doch etwas entfernte Domstadt am Rhein zum Weihnachtsmarkt?

Klar, hier gibt es Weihnachtsmärkte in einer Dichte wie anderorts Apotheken. Aber hübsch geht anders. Persönlich würde ich mir einen Weihnachtsmarkt aussuchen, der wirklich Flair hat. Und am besten noch einen in einer Region mit Schnee. Gut, das wird beim aktuellen Wetter in Deutschland eine Herausforderung. Aber Weihnachtsmärkte zu finden, die schöner oder näher dran sind, dürfte doch nicht so schwer sein. Zumal jeder zugeben wird, dass das Angebot eigentlich austauschbar ist.

Glühwein und Bratwurst

Gerüchten zu Folge gibt es in den Niederlanden keine Weihnachtsmärkte mit heißen Phosphattaschen (Bratwurst) und Glühwein. Tatsächlich reicht eine kurze Suche bei Google. Selbst der Kölner Stadtanzeiger berichtet regelmäßig über die schönsten Weihnachtsmärkte in den Niederlanden. Also, was treibt die Niederländer dann nach Köln? Ehrlich, ich würde mir da nicht antun. Selbst wenn es dort keinen Glühwein und Bratwurst geben sollte: Beides ist in der Vorweihnachtszeit definitiv entbehrlich und endet meistens nur mit herben Enttäuschungen.

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