Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Mit Andor: Die Letzte Hoffnung wurde vor drei Jahren das Finale des kooperativen Spiels eingeläutet. Ein durchaus überzeugender Abgang.

Eingeschweißt im Regal

Düster habe ich noch in Erinnerung, wann ich Andor: Die Letzte Hoffnung gekauft habe. Es muss vor zwei Jahren gewesen sein. Seit dem steht die Schachtel eingeschweißt im Regal. Neben den beiden anderen großen Andor-Boxen. Das kooperative Spiel hatte im vergangenen Jahr einen schweren Stand, im Schatten von Gloomhaven. Leider ist das nichts der einzige Grund. Das erste Spiel der Reihe, „Die Legenden von Andor“, haben meine Frau und ich ziemlich rauf und runter gespielt. Sehr gut gefallen hat uns auch die Erweiterung „Der Sternenschild“. Dann aber kam uns „Die Reise nach Norden“. Bereits nach der siebten Legende fand unsere Reise nach Andor ein abruptes Ende.

Ja ich weiß, „Die Reise nach Norden“ ist vielerorts hochgelobt worden. Meiner Meinung nach hat dieser Teil aber erhebliche Schwächen. Schwächen, die selbst erfahren Spielerinnen und Spieler die Nerven rauben könne. Da wäre zum Beispiel der bis an die Grenzen getrieben Zufallsfaktor. Planen wie im Grundspiel wird daher massiv erschwert, wenn nicht sogar verhindert.

Als wir am vergangenen Wochenende unsere Reise in den Norden endlich abschließen wollte, hätte ich das Spiel am liebsten mehrfach gegen die Wand geworfen.

Andor: Die Letzte Hoffnung

Unterwegs zur letzten Hoffnung

Hoffen auf Die letzte Hoffnung

Sowohl meine Frau als auch ich waren froh, als wir die zehnte Legende hinter uns hatten. Nie wieder, so beschlossen wir, würden wir in Andor nach Norden reisen. Eigentlich hatte mich da schon die Lust verlassen, weiter zu spielen. Doch meine rau drängte darauf. Sie hoffte, „Die letzte Hoffnung“ würde besser werden.

Gestern Abend bestätigte sich, ihre Hoffnung ist nicht unberechtigt gewesen. Die letzte Hoffnung wirkt deutlich weniger überladen als die Reise nach Norden. Vor allem, weniger zufällig. Klar spielt Glück nach wie vor eine Rolle. Zumindest wir haben aber das Gefühl, im letzten Teil wieder mehr in der Hand zu haben als ausgeliefert zu sein. Gefallen hat uns auch, dass man im Gegensatz zur reise nach Norden wieder ein vollständiges Spiel mit sieben Legenden bekommt — statt eine redlich eine Erweiterung, die nicht eigenständig spielbar ist wie „Die Reise nach Norden“.

Im Übrigen ist uns eine Sache wieder bei den vielen Parteien deutlich geworden. Am besten spielt sich Andor zu zweit. Man muss im Spiel eine Menge diskutieren und planen. Zwei gleich starke Persönlichkeiten können das gut meistern. Sitzen noch weitere, reine „Mitspieler“ am Tisch, rutschen diese schnell in die Rolle von Zuschauern.
Anders als das Andor-Grundspiel ist „Die letzte Hoffnung“ nichts, was ich einer Familie zu Weihnachten wünschen würde. Für mich geht der Abschluss der Saga deutlich in Richtung Expertenspiel.

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