Winterschlaf der SPD

Winterschlaf der SPD

Bestimmte Tiere verbringen in der kalten Jahreszeit eine längere Ruhezeit. Erst nach ihrem Winterschlaf werden sie wieder aktiv.

SPD als Brettspiel

Mittlerweile konnte ich etwas über einem Jahr Erfahrungen darin sammeln, wie man eine Brettspielrezension verfasst. Wäre jedoch die SPD ein Brettspiel, würde es mir verdammt schwerfallen, darüber zu schreiben. Das fängt bereits beim Thema. Vermutlich gibt es innerhalb der Partie eine überschaubare Anzahl an Genossen, die ganz genau wissen, was das Thema der SPD ist. Irgendetwas mit sozialer Gerechtigkeit. Bei einem Brettspiel wäre das jedoch kein Thema, sondern Spielziel. Auch wenn es zusätzliche noch geheime, davon abweichende Spielziele der Mitspieler gibt.

Von der Spielmechanik ließe sich die SPD als Brettspiel gut einordnen. Demokratisches Entscheidungen stehen im Vordergrund — auch wenn mitunter gerne mal Entscheidungen im kleinen Kreis in diversen Hinterzimmern getroffen werden. Eine der jüngsten, sehr demokratischen Entscheidungen war die Wahl des neuen Führungsduos. Das Duo für die Parteispitze wurde gestern auf dem Bundesparteitag der SPD in Berlin bestätigt.

Bei der Anzahl der Mitspieler für unsere fantasierten SPD-Brettspiel wird es richtig kompliziert. Für wie viele Personen ist es denn? Betrachtet man die Anzahl der Vize-Vorsitzenden, ist man verwirrt. Bisher waren es drei, jetzt sind es fünf. Man möchte niemanden vergraulen — beziehungsweise, man ist sehr bemüht darum.

Was das Spielmaterial, also die Inhalte angeht, erweckt die SPD noch immer den Eindruck, sie befände sich in einer Art Winterschlaf.

Winterschlaf der SPD

Sozialdemokratie im Winterschlaf

Im Winterschlaf sammeln Tiere Kraft und senken ihre Körpertemperatur auf ein niedriges Niveau. Lässt man das mit der Temperatur weg, trifft das mit dem niedrigen Niveau auch bei der SPD zu.

Ihr Winterschlaf erweckt ebenfalls den Eindruck, die ganze Partei befände sich in einem Ruhezustand. Man sammelt Kraft für die nächste Bundestagswahl. Im Übrigen spricht man bei Murmeltieren von einem sozialen Winterschlaf, da sich die Tiere nicht alleine in ihrem Bau verkriechen, sondern sich in größeren Gruppen gegenseitig wärmen. Man erkennt schon, warum das Bild vom Winterschlaf ziemlich gut auf die derzeitige SPD passt.

Es ist eine erstaunliche Leistung, mit wie viel Schwung Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans gestartet sind und wie schnell sie sich jetzt als Parteispitze ausbremsen lassen. Schneller Ausstieg aus der Großen Koalition? Lieber nun doch nicht. Schließlich gibt es tolle Projekte, die die SPD noch durchboxen will mit der CDU. Etwa die Grundrente. Merkwürdig, dass man auf so einen misslungenen Wurf auch noch stolz ist. Wenn das Niveau sinkt, sinken auch die Ansprüche. De facto verfehlt die Grundrente ihr Ziel. Anspruch gibt es nur, wenn man mindestens 35 Jahre eingezahlt hat. Was überwiegend auf solche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zutrifft, die nicht sorgenvoll auf ihren Lebensabend blicken müssen.

Wegbereiter entlohnen

Mit Vorschusslorbeeren starten und dann schnell und stark nachlassen. Mittlerweile ist das bei der Parteispitze der SPD bereits Tradition. Der ehemalige Vorsitzende und Hoffnungsträger Martin Schulz ist dafür ein gutes Beispiel. Genau so wie Schröder, Müntefering und Gabriel Beispiele dafür sind, wie man nicht miteinander umgehen sollte. Einfach raushalten wäre besser. Es sei denn, man ist eine echter Elder Statesman wie etwa Hans-Jochen Vogel.

Zugegeben, in der SPD geht man recht ruppig mit seinem ehemaligen Führungspersonal um. Gleichzeitig entlohnt man aber gerne auch Wegbereiter des Neuen mit Posten. So wie den Bundesvorsitzenden der Jusos. Seit gestern gehört Kevin Kühner der neuen, vergrößerten Parteispitze an, er ist einer der fünf Stellvertreter des Duos Esken Walter-Borjans. Man könnte hier über „Macht korrumpiert“ philosophieren.

Wir alle wissen aber, dass aus an dem Tor zum Kanzleramt rüttelnden Jusos hervorragende Sozialdemokraten werden für das Brettspiel SPD. Zumindest, wenn es ein semi-kooperatives Spielziel gäbe, die Partei zu ruinieren.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren