Sportunterricht als Sackgasse

Sportunterricht als Sackgasse

Der deutsche Sportunterricht bekam in einer Studie der Weltgesundheitsorganisation ein mangelhaft bescheinigt. Die Schülerinnen und Schüler bewegen sich zu wenig.

Verhasstes Schulfach

Eigentlich bin ich genau die falsche Person, wenn es um das Thema Sportunterricht geht. Mir war das Fach in meiner gesamten Schulkarriere verhasst – von Anfang an. Nun könnte man das auf eine möglicherweise vorhanden Unsportlichkeit schieben. Ganz so einfach ist die Sache jedoch nicht. Eher würde ich von einer sich entwickelnden Abneigung sprechen.

Was meine Fitness zur Grundschulzeit anging, war diese durchaus vorhanden. Schließlich kletterte zu Hause im Garten wie ein kleiner Affe auf die Bäume. Nur ist Klettern halt kein Bestandteil des Sportunterrichts. Der bestand bereits in der Grundschule neben dem bekannten leichtathletischen Gedöns überwiegend aus Mannschaftssportarten. Ganz weit vorne dabei: Fußball

Dummerweise fand ich schon früher Fußball blöd und konnte damit nichts anfangen. Ob das der Auslöser war oder grundsätzliche Abneigungen meiner Mitschüler, weiß ich nicht mehr so genau. Jedenfalls gehörte ich zu denen, die als Letzte in eine Mannschaft gewählt wurden.

Im Schwimmunterricht kam des auf die eigene Leistung an, einer der Gründe, warum ich mich dort immer wie ein Fisch im Wasser fühlte. Die blöde Idee meiner Eltern, mich in einem Schwimmverein anzumelden, verschlechterte jedoch meine Beziehung zum Schwimmunterricht. In der Mittelstufe sind mir nur einzelne Moment aus dem Sportunterricht in Erinnerung geblieben.

keine Leuchte im Sportunterricht
keine Leuchte im Sportunterricht

Modernisiert den Sportunterricht

Bei den Bundesjugendspielen — ach reden wir nicht darüber. Leichtathletik lag mir nicht, siehe oben. Hängen geblieben im wahrsten Sinne des Wortes ist ein Sportunfall bei mir, der zu wochenlangen Rückenschmerzen führte. Wir sollten im Sportunterricht eine Matte durch die Halle bewegen. In dem wir Anlauf nahmen und uns drauf warfen.
Immerhin, in der Mittelstufe entdeckte ich meine Vorliebe für Volleyball, obwohl das auch eine Mannschaftssportart ist.

Ich trat sogar selber freiwillig einem Verein bei. Die Mitgliedschaft währte jedoch nur kurz, da ich mit dem Trainer in Konflikt geriet. Seine Methoden als ehemaliger Bundeswehrsportler hielt ich für ziemlich daneben. Etwa Pritschen üben mit Medizinbällen, Aufschläge mit Basketbällen oder Liegestützen als Bestrafung für das ganze Team, wenn einer einen Fehler beging.

Was soll ich sagen, in der nach einem Schulwechsel und Übergang in die Oberstufe bekam ich meinen ehemaligen Trainer als Lehrer im Sportunterricht. Entsprechend sah es dann mit der Schulnote aus.

Das wäre dann auch ein erster Ansatz, um über eine Modernisierung des Sportunterrichts zu sprechen. Erst mal die Benotung abschaffen. Wenn Sport der Bewegung dienen soll, muss er Spaß machen. Wird einem die eigene Unzulänglichkeit vorgeführt, macht das definitiv keinen Spaß.

Wie in der ZEIT zu lesen ist, hat sich der deutsche Lehrerverband vor dem Hintergrund der WHO-Studie dagegen ausgesprochen, etwas am Sportunterricht zu ändern. Turnhallenmief wie vor 40 Jahren. Das ist die Ursache es Bewegungsmangels, nicht die Digitalisierung.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren