Epische Momente

Epische Momente

Besonders lange bleiben erlebte epische Momente im Gedächtnis. Von ihnen kann man über Jahren zehren, auch wenn sie nur fiktiv sind.

Brettspiele schreiben Geschichte

Selbstverständlich gibt es in ganz unterschiedlichen Bereichen epische Momente. Unterscheiden muss man dabei zwischen denen in Fiktionen und solche, die man als Beteiligter eines realen Ereignisses durchlebt. Bei Letzteren wird in der Regel erst später die epische Tragweite erkennbar. Um diese soll es an dieser Stelle nicht gehen, sonder um epische Momente in der Fiktion. Genau, um epische Momente bei Brettspielen.

Was aber ist genau mit „episch“ gemeint? Bei der Verfilmung von „Herr der Ringe“ etwa die Schlacht um Helms Klamm. Eine sehr entscheiden Schlacht mit einem Wendepunkt in der Geschichte. Für die weitere Handlung ist sie bedeutsam. Man hat sie deutlicher vor Augen als etwa den Auszug der Gemeinschaft des Rings aus Bruchtal.
Interessant für mich ist bei Brettspielen die Frage, ob und wann es bei bestimmten Spielen zu epischen Momenten kommt. Momente, von denen man in der Form „weiß du noch, als ich…“ erzählen wird. Von vorne herein ausgeschlossen sind solche Momente bei keinem Spiel. Selbst bei Kniffel kann es ein solche Würfelglück geben, dass er unvergesslich wird. Allerdings sind solche Momente je nach Spiel mehr oder weniger häufig.

Mittlerweile gibt eine zunehmende Anzahl Spiele, die durch Legacy oder Kampagne-Elemente epische Momente zu erzwingen versuchen. Das kann gelingen, aber genau so schief gehen. So blieb für mich „Aufbruch nach Newdale“ weitestgehend belanglos.

Epische Momente bei Successors
Vor dem epischen Moment bei Successors

Klötzchen schieben statt epische Momente

Epische Momente bei Brettspielen sind meiner Meinung nach auch unabhängig davon, ob man am Ende das Spiel gewinnt oder nicht. Immer wieder gerne erzähle ich von einer Situation bei einer Partie Twilight Imperium. Die Chance auf einen Spielsieg hatte ich längst vertan — darüber entscheiden meiner Erfahrung nach auch die ersten Runden, was für mich ein K. O.-Kriterium für Twilight Imperium ist.

Es war klar, welche zwei Spieler den Sieg erringen würden. Mit meiner Rasse, die Geister von Creus, verfügte ich über die Fähigkeit, Wurmlöcher zu manipulieren. In einer der letzten Runden vor Spielende nutze ich das, um mit meinem Flaggschiff und zusätzlichen Zerstören im Hinterhof des Heimatssystems eines der führenden Mitspieler auftauchen.

Bei „Rückkehr der Jedi-Ritter“ gibt es diesen Moment bei der Schlacht um Endor, als plötzlich die imperiale Flotte aus dem Hyperraum auftaucht und Admiral Ackbar entsetzt ruft: „It`s a trap!“. Genau so wirkte meine Flotte in den Augen des Mitspielers. Sie tauchte aus dem Nichts auf. Ich werde das wohl nie vergessen, auch nicht die entgleisende Mimik des Mitspielers. Gewonnen habe ich das Spiel natürlich nicht, im Gegenteil. Mit dem Überraschungsangriff habe ich auch noch die letzte Chance auf einen der vordern Plätze verspielt. Das war es mir aber trotzdem wert.

Heroes of Land, Air & Sea

Die sogenannten 4X Spiele sind nicht jedermanns Sache, denn ein X steht für „Extermination“, die Auslösung eines anderen Spielers (auf dem Spielbrett natürlich nur). Das ist eine eben aggressive Art der Verhandlungsführung. Ob mir ein 4X Spiel gefällt oder nicht, hängt von anderen Faktoren ab. Etwa Zugänglichkeit, Spieldauer und einiges mehr — nicht aber davon, ob ich das Spiel gewinne. Spaß haben kann ich auch auf dem letzten Platz, wobei genügend Popcorn bei zuschauen, wie andere gewinnen, nett ist.

Meinen Spaß hatte ich gestern bei Heroes of Land, Air & Sea. Das Spiel selber ist ohne zusätzliche Hausregeln ziemlich unausgereift. An vielen Stellen knirscht es spürbar. Aber, wenn man die Regeln verstanden hat, erschließt sich alles über das eigene Tableau. Ein gewisser Glücksfaktor ist vorhanden, aber eben nicht so erheblich wie bei Twilight Imperium mit den Würfelorgien. Den Ausgang eines Kampfes kann man recht gut abschätzen, auch wenn es noch ein paar Unabwägbarkeiten gibt.

Den epischen Moment gab es dann im letzten Spielzug des Gastgebers, als er und ich eine Schlacht auf seinem Gebiet austrugen. Ihr Ausgang entschied darüber, wer den Abend als Sieger beendete. Und das war verdammt knapp. Sofern richtig gezählt wurde, verlor ich am Ende um einen Punkt. Sollte aber noch ein von mir kontrollierter Landstrich mit einem Dorf übersehen worden sein — nun, das ist dann eine andere Geschichte, in der Portale eine Rolle spielen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren