Rosa Brille im Urlaub

Rosa Brille im Urlaub

Die meisten betrachten im Urlaub alles durch eine rosa Brille. Einige haben sie sogar schon auf dem Weg zum Urlaubsort auf.

Urlaub ohne Auto

In der heutigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung schrieb Kassian Stroh über autofreies Reisen. Das ist grundsätzlich natürlich ein Thema, welches mich besonders interessiert. Stroh und seine Familie lebt selber autofrei und blickte auf 13 Jahre autofreien Familienurlaub zurück — der geht auch mit ganz offensichtlich mit Kindern. Nicht immer blickt Stroh dabei durch die rosa Brille, aber streckenweise habe ich das Gefühl, es wird zum Teil etwas untertrieben beziehungsweise unterschlagen.

Meine Frau und ich können auf ein autofreies Leben seit über 20 Jahren zurückblicken. Wenn wir Urlaub machten, dann auch immer autofrei und umweltbewusst. Abgesehen von Reise nach Kenia im Jahr 2001. Was wohl vermutlich daran liegt, dass man weder von Köln noch Bielefeld aus Kenia mit dem Zug erreichen kann. Ach ja, und dann gab es noch die einwöchige Rundreise in Irland mit dem Mietwagen. Da saß ich aber für genau drei Minuten auf einem Parkplatz am Steuer. Es stellte sich nämlich heraus, dass ich zwar den tollen neuen EU-Führerschein dabei hatte, aber über keine Fahrpraxis mehr verfügte.

Von diesen beiden Ausnahmen abgesehen gab es also bei uns immer nur autofreien Urlaub. Den möchte ich mal ganz wertneutral ohne rosa Brille reflektieren.

Unterwegs ohne Rosa Brille
Unterwegs ohne Rosa Brille

Autofreiheit ohne rosa Brille

Im Urlaub selber soll alles entspannend sein. Da sieht man vieles durch eine rosa Brille, auch wenn manchen nicht stimmt. Fehlender WLAN-Empfang, Duschen mit Abfluss-Geruch, fehlende Handtücher und andere, wesentlich größere Verstöße gegen die Urlaubsfreude. Bevor man sich jedoch im Urlaub entspannen kann, muss man erst mal zum Zielort gelangen. Das ist aber unter Umständen mit einer Menge Stress verbunden. Vor allem aber schließt es bestimmte Urlaubsorte von vornherein aus. Es sei denn, man ist besonders masochistisch veranlagt.

Nicht jedem liegt es, acht Stunden oder länger mit der Bahn unterwegs zu sein. Heikel wird es zudem dann, wenn man mehrfach umsteigen muss. Da kann eine Verzögerung an einer Stelle schnell dazu führen, dass man seinen Anschluss verpasst. Meine Frau und ich kennen das aus unserem Urlaub auf Borkum zu Genüge. Auf der Strecke nach Emden-Außenhafen kommt es gefühlt fast immer zu Verspätungen. Man verpasst dann die Fähre — die hoffentlich nicht die letzet des Tages war. Mittlerweile planen wir immer so, dass wir rund eine Stunde Aufenthalt am Hafen haben. Ach ja, und von Köln bis Emden-Außenhafen fährt ein IC durch, aber das nur nebenbei.

Busfahren ist zum kotzen

Man verzeihe mir die harte Überschrift, aber es gibt eine Kleinigkeit, bei der mir auch eine rosa Brille nicht helfen würden. Busfahren ist für mich ein absolutes Horror-Thema. Mir wird ziemlich schnell ziemlich übel. Reisetabletten helfen da nur begrenzt. Lustiges Detail: Selbst auf einem kleinen Schiff mit hohem Seegang kann ich als einer der wenigen an Bord noch in Seelenruhe essen.

Wie dem auch sei, ohne Bus schränkt sich die Anzahl der möglichen Urlaubsorte deutlich ein. Wenn man dann noch die Region weglässt, die nur mit einer sehr langen Bahnfahrt zu erreichen sind (schmerzlich vermisst an dieser Stelle: Nachtzüge der Deutschen Bahn), wird aus der Autofreiheit eine spürbare Einschränkung der Reisefreiheit.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren