Paladine des Westfrankenreichs

Paladine des Westfrankenreichs

Bei einigen Brettspielen ist ein Ersteindruck trotz einiger gespielter Parteien schwierige. Eines dieser Spiele ist Paladine des Westfrankenreichs.

Versuch eines Ersteindrucks

Ursprüngliche sollte dies ein Artikel über „Paladins of the West Kingdom“ werden. Es war mir aber auf der Messe in Essen nicht vergönnt, davon ein Exemplar zu bekommen. Daher musste ich notgedrungen auf die deutsche Ausgabe vom Schwerkraftverlag zurückgreifen. Aus gegebenen Anlass möchte ich mich daher mit einer kostenlosen Werbung für Kauf ne Kuh.De entschuldigen — Kenner verstehen sicher die Anspielung.

Wie dem auch sei, die Übersetzung bei Paladine des Westfrankenreichs ist solide gemacht, dran lässt sich nicht herummäkeln. Das Spiel selber ist zudem kein Leichtgewicht, nicht nur im übertragenen Sinne. Die Schachtel ist randvoll mit Spielmaterial gestopft. Beim wieder einsortieren wird es schwer, alles wieder so unter zu bekommen, dass der Deckel sich vollständig herabsenken lässt. Das ist jedoch jammern auf hohem Niveau, denn man bekommt für sein Geld ordentlich Material. Nicht zu verwechseln mit ordentlichem Material, denn hier gibt es tatsächlich ein paar kleinere Kritikpunkte. Die 40 Proviantsäcke etwa hätte man auch aus Holz machen können. Ein paar Euro mehr für das Spiel wären nicht weiter eins Gewicht gefallen. Zusammen mit dem zusätzlich erhältlichen Metallmünzen würde nämlich daraus ein runderer Gesamteindruck.

Kleinigkeiten, ich weiß. Keine Kleinigkeit sind die Spielkarten, die extrem schlecht gearbeitet sind. Bereits beim Auspacken und in Hüllen schieben zeigen sich erste Abnutzungen — ohne das das Spiel überhaupt gespielt wurde.

Paladine des Westfrankenreichs
Paladine des Westfrankenreichs

Komplexität der Paladine des Westfrankenreichs

Etwas ungewöhnlich bei den Paladine des Westfrankenreichs ist der zweigeteilte Spielplan für alle Spieler im Verhältnis zu den Spielertableaus. Auf denen spielt sich nämlich das Hauptgeschehen im Spiel ab. Einsatzbereiche für Arbeiter, bei denen man mit anderen Spielern konkurriert, gibt es erst ab der dritten Runde, dargestellt durch die Karten „Gunst des Königs“ in jeder weiteren Runde kommt eine dazu, so das insgesamt fünf bis zum Spielende zur Verfügung stehen. Es sind stärker Aktionen, die aber pro Spielrunde nur von jeweils einem Spieler durchgeführt werden können.

Ansonsten konkurriert man lediglich um die Stadtbewohner, Fremden und Felder für die Platzierungen von Festungen (beziehungsweise Entsendung von Mönchen) auf dem allgemeinen Spielplan – im Wesentlichen.

Man muss kein Hellseher sein, um recht früh zu erahnen, was Paladine des Westfrankenreichs fehlt: Interaktion. Das Ganze ist eine eher solitäre Optimierungsaufgabe. Das macht es nicht zu einem schlechten Spiel, aber zu etwas, was sich streckenweise wie Arbeit anfühlt. In mittlerweile sechs Partien konnte ich mir einen Eindruck davon verschaffen, was man beim spielen alles falsch machen kann. Der Schlüssel zum Sieg liegt in zwei Bereichen. Der guten Auswahl des jeweiligen Paladins für die aktuelle Runde und dem Generieren von Arbeitern.

Schlüssel zum Sieg

Die besondere Fähigkeit des Paladins in der aktuellen Runde nicht zu nutzen oder nutzen zu können, ist fatal. Man verschenkt dadurch Boni, die man bitter nötigt hat. Ebenso fatal ist es, wenn man nur mit den insgesamt sechs Arbeitern (zwei durch den Paladine, vier durch die Tavernen-Karte) auskommen muss.

Je geschickter man dabei ist, weitere Arbeitern zu genieren, desto länger bleibt man in einer Runde aktiv. Durch die richtige Kombination von Stadtbewohnern lassen sich interessante Ketten aufbauen. Auch die Bekämpfung von Fremden oder die Arbeiter an der Stadtmauer bringt zusätzliche Arbeiter. Wer passt, darf bis zu drei Arbeiter mit in die nächste Runde nehmen.

Je länger man jedoch selber noch in einer Runde agieren kann, desto länger müssen die Mitspieler am Tisch warten. Das ist jedoch nicht wirklich spannend. Grübler am Tisch führen zu einer Spielzeit, die sich wie Kaugummi dahin zieht. Das ist neben der höheren Komplexität einer der deutlichsten Unterschiede zu Architekten des Westfrankreichs, wo die Zugfolge schnell und flüssig ist.

Paladine des Westfrankenreichs hinterlässt bei mir zur Zeit einen gemischten Eindruck. Noch bin ich mir nicht sicher, was ich letztendlich von dem Spiel halten soll.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren