Mauern in Deutschland

Mauern in Deutschland

Gut 30 Jahre nach dem Untergang der DDR stehen in Deutschland nach wie vor Mauern. Sie dienen zum Schutz von Menschen vor Menschen.

Klima der Angst

Die Mauer durch Berlin und die weiteren Grenzbefestigungen der ehemaligen DDR dienten vor allem dazu, die Menschen gegen ihren Willen in der Volksrepublik zu halten. Ausreisewillige bezahlten ihren Fluchtversuch oft mit ihrem Leben. Die 1400 Kilometer lange innerdeutsche Grenze zog sich mit einem Todesstreifen von Norden nach Süden. Heute ist daraus im Rahmen des Projekts „Grünes Band“ ein Wanderweg geworden. Ein Symbol dafür, dass man überwinden kann, was einst teilte.

Dennoch gibt es weiterhin Mauern in Deutschland. Zum Teil unsichtbare in den Köpfen, die nach wie vor Menschen in Ost und West unterteilt. Zum Teil aber auch deutlich sichtbare, die Zeugnis eines zunehmenden Klimas der Angst sind.

Heute gibt es ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung über das jüdische Leben in Deutschland. Ein Artikel, der mich sehr bewegt hat. Er thematisiert das Leben hinter Mauern, was insbesondere auf Kinder und Jugendliche wirkt. Polizeischutz, Sicherheitsschleusen und eben Mauern sind nach wir vor erforderlich, um Menschen mit einem anderen Glauben in Deutschland zu schützen. Und das nicht erst seit dem Anschlag in Halle. Bedrückend und traurig macht das.

Leben ohne Mauern
Leben ohne Mauern

Hinter Mauer leben

Eigentlich sollten wir uns glücklich schätzen, dass es überhaupt wieder jüdisches Leben in Deutschland gibt. Wir sollten dankbar sein für jeden, der trotz der von uns begangenen unvorstellbaren Grausamkeiten des Holocaust mitten unter uns leben will. Statt dessen aber sind weiterreichende Sicherheitsmaßnahmen erforderlich, um jüdisches Einrichtungen, Synagogen und die Menschen zu schützen.

Auf der eine Seite bieten Mauern Schutz und Sicherheit. Auf der anderen Seite sind sie aber auch ein trauriges Symbol von Hass. Ein angstfreies jüdisches Leben scheint nach wie vor nicht möglich zu sein in Deutschland.

Was mich besonders bewegt hat im Artikel von Ronen Steinke, ist die Art und Weise, wie die Mauern und Sicherheitsmaßnahmen auf die Kinder wirken. Wie ihre Eltern sich mit der Frage beschäftigen, wie viel sie von der Wirklichkeit ihren Kindern zumuten wollen und können. Ab wann man ihnen erzählt, was es mit dem Holocaust auf sich hat oder ganz banal, warum der Schulbus bei der Fahrt durch eine Sicherheitsschleuse genauestens untersucht wird. Warum Kinder Terroralarm üben müssen. Und warum vor der Synagoge in Halle Blumen gelegt wurden. Was bringt man Kindern bei? Sich zu verstecken in unserem Land, mal wieder?

Ich fürchte, bis wirklich alle Mauern in Deutschland fallen, werden noch viele Jahre vergehen. Schlimmer noch, die Chancen verschlechtern sich leider wieder.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren