Newdale Ersteindruck

Newdale Ersteindruck

Mit gleich zwei Neuheiten glänzte Alexander Pfister auf der diesjährigen Spiel. Mit Aufbruch nach Newdale schuf er die Fortsetzung eines Kartenspiels.

Oh my Goods!

Vor ein paar Wochen landete bei meiner Frau und mir „Oh my Goods!“ auf dem Spieltisch. Eigentlich flog der Titel bei uns komplett unter dem Radar. Wir sind erst durch die Ankündigung einer Fortsetzung als Brettspiel darauf aufmerksam geworden. Das Grundspiel hat uns rund um gefallen, auf die ersten Erweiterung, die einen Kampagne brachte. Bei der zweiten Erweiterung sah das etwas anders aus. Die Story war ok, aber seitens des Verlages wurde ein paar Einsparungen vorgenommen, die das Handling erschwerten. Darüber kann man hinwegsehen. Wirklicher Knackpunkt bei Flucht nach Canyon Brook ist die zu hohe Anzahl an Gebäuden. Dadurch steigt die Glückskomponenten zu sehr. Wir waren daher gespannt, wie Pfister das in Newdale lösen würde.

In einem Interview sprach Alexander Pfister davon, dass eine dritte Erweiterung für das Kartenspiel nicht sinnvoll gewesen wäre. Auch er hatte an dieser Stelle erkannt, wie sich zu viele Gebäudekarten im Zugstapel auswirken. Mit Aufbruch nach Newdale sollte daher ein eigenständiges Brettspiel entstehen. Inhaltlich knüpft Newdale dabei an das Ende der Canyon Brook Erweiterung an. Das wirft als erstes natürlich die Frage auf, ob man das Kartenspiel kennen muss. In Bezug auf die Story ist es meiner Meinung nach nicht unbedingt erforderlich.

Newdale in der Sonne
Newdale in der Sonne

Leichte Schwächen bei Newdale

Allerdings haben Spielerinnen und Spieler, die bereits „Oh my Goods!“ gespielt haben, einen Vorteil. Ihnen ist die grundlegende Mechanik der Produktionsketten, die es auch in Newdale gibt, vertraut. Das verschafft einen gewissen Vorteil im Spiel. Nach den ersten Partien legt sich das zwar, aber ein Nachgeschmack bleibt.

Dabei bietet Newdale einiges Neues, an das sich auch alte Hasen gewöhnen müssen. Es gibt mehrere Spielpläne und Spielertableaus. Während im Kartenspiel ein eigenes Gebäude einfach so gebaut werden konnte, muss dafür im Brettspiel auf dem Spielplan ein Ort mit einem Holzhaus belegt werden. Die Karte selber kommt in die eigene Auslage mit dem Spielertableau. Dabei bieten die Orte unterschiedliche Vorteile und können auch Siegpunkte für den Geheimauftrag eines Spielers generieren.

Wo man das Gebäude am Spielertableau andockt, legt auch fest, zu welchen Bedienungen produziert werden kann. Die insgesamt acht Slots sind nicht alle identisch. Das Produzieren selber erfordert einen Aktionsstein, von denen man zu Anfang zwei besitzt. Über eine separate Aktion können noch bis zu zwei zusätzliche Aktionssteine erworben werden. Hinsichtlich der Produktion gibt es aber noch eine weitere Änderung. Selbst wenn diese fehlschlägt, kann noch die Produktionskette aktiviert werden. Zudem gibt es bei jeder Aktivierung einer Produktionskette eine Bonus-Ware.

Andere Gehilfen

Geändert hat sich auch die Voraussetzungen für eine normale Produktion. Das wird nicht mehr durch gezogenen Karten in der Marktauslage bestimmt, sondern durch die Ereigniskarten plus Gehilfen, die aus einem Stoffbeutel gezogen werden. Es erfordert also Gehilfen, und nicht mehr Waren, um die Basisproduktion in Gang zu setzen. Das fühlt sich deutlich logischer als, als wenn man etwa in der Köhlerei aus Baumwolle Holzkohle mit Hilfe von Stroh macht.

Nach nunmehr zehn Partien stecken wir noch mitten in der Kampagne (wir haben jedes Kapitel zweimal gespielt). Ein paar Dinge sind uns bereits aufgefallen, sowohl positive als auch negative. Newdale ist trotz seiner Komplexität ein Spiel, welches man auch unter der Woche nach Feierabend spielen kann. Die Frage ist nur, wie oft man das nach Abschluss der Kampagne dann noch machen wird. In Bezug auf den Wiederspielwert bin ich zu Zeit noch skeptisch. Jedes Kapitel bringt zwar neue Möglichkeiten, aber es ist jetzt nicht so, dass man sich komplett neu orientieren müsste. Varianz ist zwar durch die Spielpläne und Bonusplättchen da, aber reicht das aus?

Etwas nervig finde ich persönlich das, was in der Spielschachtel fehlt. Außer Zip-Beuteln ist nichts vorgesehen, um das Spielmaterial unterzubringen. Das ist insbesondere dann ärgerlich, wenn man die Kampagne „speichern“ möchte. Das Handling der Ereigniskarten, Personenkarten und zusätzlichen Gebäude ist suboptimal. Hier hätte ich mir kleine Schachtel wie etwa bei Scythe: Aufstand der Fenris gewünscht. So was trägt auch dabei, die Spannung für alle zu erhöhen, statt das einem direkt beim auspacken die schwarzen Kapuzenträger entgegenkommen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren