Wahnsinn wird zurückgestellt

Wahnsinn wird zurückgestellt

Trotz vollmundiger Ankündigungen wurde über Nacht erneut die Uhr zurückgestellt. Auch bei der SPD scheint der Wahnsinn Methode zu haben.

Honeckers Erben

„Niemand hat die Absicht, die Uhr umzustellen.“ — Ein frei nach Erich Honecker erfundenes Zitat. Seit heute Nacht wird nicht zurückgeschossen, sondern zurückgestellt. Zumindest dann, wenn man nicht ausschließlich Funkuhren sein eigen nennt. Ab sofort gilt wieder die Winterzeit. Morgens ist es also schon etwas „früher“ hell, abends dafür schneller dunkel. Dabei sollte der Wahnsinn mit dieser unseligen Umstellerei eigentlich ein Ende haben. Wir erinnern uns: Vor etwas über einem Jahr gab es so eine Umfrage, bei der sich über 80 Prozent der Teilnehmer für die Abschaffung der Zeitumstellung aussprachen.

Aber wie das so ist, Europas Mühlen mahlen langsam, auch dieser Wahnsinn hat Methode. Was die Zustimmung angeht, relativieren sich die 80 Prozent sehr schnell, denn die Anzahl derjenige, die abstimmten, war recht gering. Also in etwa ähnlich, wie beim SPD-Mitgliederentscheid für die neue Parteispitze. An der nicht unwichtigen Abstimmung beteiligten sich 53,28 Prozent der Mitglieder. Dem Rest geht es offensichtlich am Arsch vorbei, wer künftig die Partei vor die Wand fahren darf. Traurig auch, dass 11.819 Genossen nicht in der Lage wahren, ihren Stimmzettel gültig auszufüllen. Die Sozialdemokraten haben offensichtlich eine ganze Reihe von Problemen in ihren Reihen.

Wahnsinn und Umstellung
Wahnsinn & Umstellung

SPD vom Wahnsinn befallen

Man kann natürlich jetzt ausgiebig über die Wahlbeteiligung bei der SPD spekulieren und etwas wie der Juso-Vorsitzende Kühnert kühne Vergleiche mit den Mitgliederentscheiden anderer Partei anstellen. Wirklich weite hilft das an der Stelle nicht und selbst Herr Kühnert sollte die Sache mit Splitter und Balken bekannt sein.

Persönlich viel schlimmer finde ich das Ergebnis der 1. Abstimmung:

  • Klara Geywitz & Olaf Scholz 22,68%
  • Saskia Esken & Norbert Walter-Borjans 21,04%
  • Christina Kampmann & Michael Roth 16,28%
  • Nina Scheer & Karl Lauterbach 14,63%
  • Petra Köpping & Boris Pistorius 14,61%
  • Gesine Schwan & Ralf Stegner 9,63%

Über den letzten Platz für das Duo aus Schwan und Stegner bin ich eigentlich ganz froh. So sieht auf jeden Fall nicht die Zukunft der SPD aus. Aber an der Spitze Olaf Scholz mit einer Auffüllpartnerin mit 22,65 Prozent? Genossen, das ist doch Wahnsinn. Nein, eigentlich Selbstmord. Hier wurde jemand gewählt, der ganz deutlich für die verhängnisvolle Große Koalition steht. Zudem ist meiner Meinung nach Scholz als möglicher Kanzlerkandidat den Wählerinnen und Wählern nicht vermittelbar. Immerhin, er taugt als Nachlassverwalter für die Sozialdemokratie.

Ganz ehrlich, mit so einer Wahl versucht die SPD, die Zeit zurückzudrehen. Dabei werden die Fehler von Scholz ignoriert, genauso wie sein ursprünglich Absage, überhaupt als Kandidat für die Parteispitze zur Verfügung zu stehen.

Ob man begrüßen sollte, dass der Wahnsinn mit einer Stichwahl in eine zweite Runde geht?

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren